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Tag 42 von 42 – Die Antwort ist die Antwort ist die Antwort.

 

Seit wenigen Tagen ist er da, der Tag 42, und so langsam habe ich jetzt auch kapiert was los ist: Ende 2017 gehen wir vier nach Bremen, der Scooperhund kommt mit. Er sagt zwar, ohne Strand schmecke ihm auch der beste Smoothie nicht. Aber nu‘, wer kann sich schon immer nach dem Hund richten.

 

 

Seit Monaten warten wir nun darauf, dass der Job, der dem Göttergatten in East London versprochen wurde, endlich real wird. Ich erinnere mich, wie ich im September im Discounter von dem potenziellen zukünftigen Arbeitgeber meines Mannes von der Nachricht überrascht wurde, mein Mann könne nun mittlerweile zwischen zwei attraktiven Stellen wählen, an denen er dringend gebraucht würde. Ich wäre schon damals, zwischen butternut, potatoe und Ananas, fast in Tränen ausgebrochen. Zu oft schon schien der jeweilige Job zum Greifen nahe, nur noch diese eine Sitzung, nur noch diese eine Unterschrift, gleich, bald, nächste Woche, ganz bestimmt, dass klappt, das Projekt wird auf jeden Fall etwas. Es wurde nichts.

 

Dran glauben, meistens klappt es dann. Und wenn es nicht klappt: Mach neu.

 

Es fühlte sich monatelang so real an, so nahezu greifbar: Dass wir noch ein weiteres Jahr in East London bleiben können. Dass es richtig war, nicht direkt nach Bremen zu fliegen, besser: zu fliehen, als die versprochene Vertragsverlängerung durch den ersten East Londoner Arbeitgeber ganz kurzfristig nicht zustande kam. Dass sich der anstrengende Umzug in das kleinere Haus gelohnt hat, weil da ja die Hoffnung auf den anderen  Job war. Den man auch deshalb unbedingt wollte, damit der Sohn hier in einem Jahr sein Abitur in der Tasche hat. Es an einer Schule machen kann, an der er das Lernen liebt, an der die Tochter sich absolut wohlfühlt mit ihren Freundinnen.

 

 

Einer Schule, der ich jeden Tag dafür dankbar bin, dass sie meinen Kindern den Spaß am Lernen erhält und sie darin bestmöglichst unterstützt. Natürlich möchte man da bleiben, wir wollten es. Man kennt das  doch: never change a winning team. Und es ist so was von winning hier: Die Kinder gehen quasi an jedem Tag gerne zur Schule, haben Spaß, finden Lehrer und Lerninhalte größtenteils sehr gut und spannend. Wo gibt’s denn so was? Das gibt es, unter Anderem hier in East London, an der Merrifield Preparatory School and College. Diese Schule zu verlassen schmerzt so sehr, wie der Abschied von Meer und Strand und Sonne und von Menschen, die (ich habe das mehrfach erfolgreich erprobt) immer zu spontanen Tankstellentänzen aufgelegt sind. Aber es hilft ja nix: Es ist Ende Oktober und wir stehen immer noch ohne Vertrag da. Unsere Situation ist weder emotional noch finanziell weiter tragbar, da hilft auch alles Tanzen nix.

 

 

Das Leben in East London ist für uns deutlich teurer, als in Bremen zu leben: 800 € für unsere geliebte Privatschule im Monat. Man braucht zwei fitte Autos, in Bremen reichen uns vier Fahrräder, die Straßenbahn und unsere Bahncards. Wir haben in Südafrika trotz jahrelangem Kampf das Kindergeld nicht bewilligt bekommen und haben jetzt seit Juli kein Einkommen mehr. Wohnungen und Häuser, in denen man geschützt leben kann (und da rede ich noch nicht von den richtig schicken mit Pool und Meerblick), kosten hier nur minimal weniger als in Deutschland. Lebensmittelpreise sind ungefähr auf deutschem Niveau, manches ist teurer, manches etwas billiger, das kommt schnell aufs Gleiche raus. Zumindest wenn man lecker Käse auf dem Brot, sehr viel Frischgemüse und öfters mal Vollkornbrot essen will. Mal ein Weinchen oder ein Bier trinken will. Nicht das Hipsterbier aus Nahoon, bitte. Das schmeckt wie es heißt, nach süßlichen Hipstertränen, das geht gar nicht.

 

 

Finanziell ist das Leben in East London für uns nicht länger zu wuppen. Wir haben großzügige familiäre Unterstützung bekommen und einen Teil unserer Ersparnisse verbrannt, weil wir das Ziel hatten, am Ende mit einem gut bezahlten Job für den Göttergatten dazustehen. Einem, der es uns erlaubt, wenigstens noch das Jahr bis zum Abitur unseres Sohnes hier zu bleiben. Das klang immer wieder sehr realistisch und zum Greifen nahe. Wir haben alles dafür getan: Sind umgezogen, haben uns auf eigene Kosten um die Visumsbewilligung gekümmert. We are ready, but there is still no job. Und nun ist time-out, finito, Schluss mit dem Warten.

 

 

Dennoch: Die Entscheidung zum hiesigen Schuljahresende zu bleiben war die Richtige für uns: Nach dem Ausbleiben der Vertragsverlängerung sind finanzielle Zusagen von dem ehemaligen Arbeitgeber meines Mannes nicht eingehalten worden. Das hieß, wir mussten uns vor ein paar Monaten überlegen, ob wir unsere Kinder von heute auf Morgen aus ihrer geliebten Schule und aus ihrem südafrikanischen sozialen Umfeld reißen und sie ratzfatz zurück nach Deutschland verpflanzen. Wohin auch immer, unser Haus in Bremen war an eine Wohngemeinschaft vermietet, da wären wir so schnell nicht reingekommen. Außerdem haben wir Südafrika, trotz aller Widrigkeiten, lieben gelernt, es ist ein Zuhause geworden. Nicht einfach wegzurennen als es eng wurde, war zwar teuer und anstrengend, aber unser Resumee als Familie ist: Es hat sich definitiv gelohnt.

 

 

Die Joboptionen in East London sind nun zwar endgültig geplatzt, aber wir gehen mit einer gewissen Ruhe, einem Plan in der Tasche und zum hiesigen Schuljahresende. Wir können jetzt nicht bleiben, haben aber wenigstens noch in Ruhe Zeit uns zu verabschieden, Spaß am Meer und mit Freunden zu haben bevor wir Ende dieses Jahres Auf Wiedersehen zu East London sagen. Ich würde immer wieder hierher kommen. Und, zumindest als Besucherin, werde ich das auch. Alles Andere wird sich dann schon finden. Bis bald auf diesem Kanal! Enjoy!

 

41.3 von 42 – Was ich vermissen werde. Würde. Werde.

Am Samstag Morgen spontan mit der Teenietochter im East Londoner Toast Deli haltmachen. Mit dem Lemon Meringue Pie liebäugeln, der im Café unter so einer hübsch altmodischen Tortenabdeckung aus Glas thront. Erst mal durch die angrenzende Boutique schlendern: Nur gucken, nix kaufen. Das ist schwer, da ist dieser Wandspiegel mit einem Roholzrahmen, der aus Paletten gebaut wurde, grandios. Sommerkleider, Silberschmuck aller Arten: zart, exzentrisch, mit Glitzer und mit ohne. Aber wir schaffen es, kaufen nix.

Nichts außer dem Lemon Meringue, einem Zitonenpie mit riiiiiesigem, fluffy Eischneetopping. Es ist einer der besten Lemon Meringue in East London und definitiv der Frischeste: Der Boden von dem süßen Schätzchen ist an diesem Samstag Vormittag noch warm!


Dann durch den Hintereingang des Cafés im Outdoor Blumenladen landen und sich von des Töchterchens Begeisterung für kleine Kois anstecken lassen. Crazy Pflanzenkreationen und weltweit gültige Gärtnerlebensweisheiten entdecken. Durchatmen. Sich am Sonnenschein freuen, er wird nicht bleiben, der Rest des Tages bringt Gewitter, Sturm, Regen. Aber jetzt, jetzt ist es sommerlich warm. Und grün in allen Varianten.

 

 

 

 

 

Mit einem Schritt im angrenzenden Bioladen Lime Fusion landen und eben noch lecker Vollkornbrot kaufen. Durch den kräftigen, aber warmen Sommerwind zum Auto schlendern. Grateful sein. Wie heißt das noch auf deutsch, das muss ich jetzt echt eben nachschauen: Dankbar sein, so heißt das. Gute Sache das!

Hier kommen alle Photos, die ich machen durfte, ohne das Töchti zu sehr mit meiner Photomanie zu nerven. Essen photografieren mag sie gar nicht. Den Kuchen müsst ihr euch also selber googeln oder hier nachschauen wie man den macht, bitteschön. Alternativ: Einfach mal im Toast Deli vorbeischauen. In jedem Fall: Enjoy your weekend!

 

Tag 41.2 von 42 – Plaudertaschentagebucheintrag. Und ein Plan.

 

Die Ferien sind fast vorbei. „Und, was habt ihr so gemacht?“ „Nichts.“ Das ist natürlich Quatsch. Wir sind in den zehn Tagen Frühlingsferien nicht weggefahren, soweit stimmt es. Was aber habe ich gemacht, lass‘ mal überlegen, was mir da so einfällt.

 

 

Ich war, nach einer ewigen Winterpause, wieder zum Sporteln im Gym. Und ein Mal beim 5 km Parkrun. Dazu drei Mal beim Pilates und viel zu wenig mit dem Hund am Strand. Das wird der, ohne zu zögern, jederzeit bestätigen.

Außerdem habe ich in einem Tagesworkshop gelernt, wie man mit Annie Sloan Farben malt. Und sofort angefangen alles anzumalen, was mir im Weg steht. I love it!

 

 

Ich hatte Besuch von meiner Freundin Nita, mehrfach. Ihr Herd war kaputt, sie hat sich stattdessen vegan in meiner Küche ausgetobt. Leider ist ihr Herd jetzt wieder heile.

 

 

Ha, ich habe es geschafft, ohne Grillanzünder und ohne den Göttergatten einen spontanen Grillabend zu zelebrieren. Ich wollte das nicht, ich war müde und ich grille nie. Ich lasse grillen. Und es sind immer Männer, die grillen. Bis jetzt, bis zu diesem einzigen, richtig warmen Sommerabend, den die Ferien hergegeben haben. Als meine Tochter mir Mut gemacht hat und gesagt hat: Wir machen das jetzt! Dank ihr haben wir den Grill angekriegt, unsere ultraspontane Freundin Sizwe angerufen und alle gemeinsam einen leckeren lauen Grillabend genossen. Uli, schau, wir können das jetzt auch!

 

 

Meistens aber habe ich in diesen Ferien fleißig dem East Londoner Regengeprassel zugehört. Frühlingsferien, das hieß dieses Mal Regen, Regen, Regen. Der Gedanke, dass das Wetter so eine Art Trainingscamp für zukünftig in Bremen lebende Menschen ist, lag irgendwie nahe. Allerdings wissen wir ja noch gar nicht, ob wir das so schnell wirklich brauchen, das Brementraining. Was wir sicher wissen: East London hat den Regen dringendst gebraucht. Auch tröstlich.

 

 

Wenn es mal nicht geregnet hat, dann bin ich mit dem Töchterchen und den Bodyboards an den Strand gefahren. Wir haben richtig viel Spaß in den kalten Wellen gehabt. Und ich danach ein kleines bisschen Bauchmuskelkater. Was bedeuten muss: Da ist nicht nur Bauch, da sind auch Muskeln, right? Ich werde das noch herausfinden, der Sommer fängt hier schließlich gerade erst an.

 

 

Der Sohn war froh, dass er diese Südafrikaferien zum ersten Mal nicht reisen musste. Ich glaube, wir waren alle froh. Keine Elefanten, keine Giraffen, keine Abenteuer. Stattdessen: Ein wenig Strand. Ganz viel Couch-Potatoe. 22 Episoden The Flash auf Netflix gucken. Blöde Auswanderersoaps schauen. Faul sein. Nichts schaffen wollen. Luft holen, atmen.

Die nächste Runde Schule wird anstrengend. In Term 4, das von Oktober bis Dezember geht, werden Jahresendexamen geschrieben. Und außerdem wissen wir immer noch nicht, wo wir danach leben werden. Das ist auch anstrengend, sehr, für alle. Wir verschieben unsere Entscheidung aus Südafrika wegzugehen, weil uns hier noch immer erzählt wird, dass ein Job für den Mann in East London in greifbarer Nähe ist. Fakt ist: Zur Zeit leben wir hier, auch ohne Urlaub, deutlich über unsere Verhältnisse. Privatschule, zwei Autos, kein Kindergeld, das geht so richtig ans Eingemachte. Wie in den blöden Auswanderersoaps. Und bevor mal wieder jemand fragt: Ja, ich kenne Good Bye Deutschland mittlerweile. Nein, ich werde VOX nicht anrufen. Nein, die brauchen auch nicht bei mir anzurufen. Und nein, wir werden nicht in Südafrika bleiben, bis wir uns die Heimreise nicht mehr leisten können. Oder nur noch trocken Brot zu essen kriegen. We made a plan, don’t worry.

Und ja, wir machen immer weiter Pläne. Einer meiner Ferienspäße war es, Mietpreise für Wohnungen in Deutschland auszutüfteln. Denn der Göttergatte hat Jobinterviews in Deutschland. Weshalb mein Hirn automatisch Visionen von einem Leben produziert, das wahlweise in unserem Haus in Bremen oder in einer Mietwohnung in Berlin, Frankfurt oder Stuttgart stattfindet. Nein, nicht in Stuttgart, da will ich nicht hin, da wird mit Gold tapeziert. Leute, ehrlich: 1700 € kalt für vier Zimmer mit kleinem Garten?! Are you sure? Das gefällt mir nicht, da habe ich bessere Ideen. Zum Beispiel diese hier, die finde ich ganz spannend:

Ich bleibe alleine mit den Kindern und Hund Scooper noch ein weiteres Jahr in East London. Mein Sohn macht in dem Jahr hier sein Abi, anstatt in Deutschland noch 2,5 Jahre zur Schule zu gehen. Der Göttergatte klärt derweil, wo er arbeitet. Das bringt Klarheit in die Frage, wo wir als Familie in Zukunft leben werden. Weil ich dadurch noch ein weiteres Jahr auf die nicht-arbeitende-Hausfrau-Mutter-und-Kindertaxifahrerinnen-Rolle festgelegt bin, und darauf so gar keinen Bock mehr habe, entwickle ich neben meiner Kreativität und Begeisterungsfähigkeit mit 47 Jahren auch noch Disziplin und Zielgerichtetheit. Das konnte ich bislang nur im Job gut, die Selbstorganisation in meinem Expatleben ist eher so ein wenig Naja. Außer zu Zeiten, in denen ich mich von Erich Jordan habe coachen lassen, da war ich super organisiert. Ach, das ist überhaupt ein Plan, den engagiere ich einfach wieder.

 

 

Und dann passiert es: Mein Blog macht mich reich und berühmt, das kennt man ja aus Funk und Fernsehen. Das ist ja schon mal schön, aber noch schöner ist, dass ich zeitgleich auch wieder zu den Sportgewohnheiten zurückfinde, die ich bis anfangs dieses Jahres hatte: Sieben Stunden Sport in der Woche zu machen, mit viel Spaß. Dieses Mal aber nehme ich knapp zehn Kilo ab, zehn Kilo die ich nie wieder zunehme, wegen Muskelmasse und so, auch das kennt man.

Damit meine Ehe in dem Jahr am Leben bleibt, auch weil ich an gemeinsame Projekte glaube und da wirklich dolle Lust zu habe, schreibe ich neben meinen Schwimm- und Gymeinheiten gemeinsam mit dem Göttergatten an einem Buch. Der Arbeitstitel: Auswandern, wie man es nicht tun sollte. Auch das wird ein Bestseller, aber erst etwas später dann, man will ja in Deutschland auf Lesereise gehen.

Was jetzt sofort passiert: Weil die Welt Geschichten liebt, bei denen die Liebe über alle Hindernisse und Entfernungen hinweg siegt, kontaktet mich übermorgen ein Sponsor. Der zahlt dem Göttergatten ein Mal im Monat einen Flug von Deutschland nach East London. Der neue Arbeitgeber meines Mannes, lass mal sagen der arbeitet jetzt in so einem Weltverbesserer-Klimaschutz-Thinktank-Dings in Berlin Germany, sieht ein, dass er seinen Mitarbeiter nur halten kann, wenn er ihm regelmäßig bezahlten Sonderurlaub dafür gibt. Alle sind happy. Und ich werde schön und reich und glücklich. Das ist doch wirklich mal ein Plan. Let’s make it happen!

 

 

Nicht. It’s not gonna happen. Also der Teil, bei dem der Mann und ich auf verschiedenen Kontinenten leben, wird derzeit nicht passieren. Für den Rest, Universum, hast du meinen Segen. Aber mal ehrlich, das Konzept, das einige Leute in meinem Umfeld gewählt haben und das mir regelmäßig nahegelegt wird: Muttern bleibt mit den Kids in East London, derweil verdient Vattern das Geld irgendwo anders auf der Welt – das istmal definitiv nix für uns.

Diese Entscheidung haben wir Eltern, nach einiger Grübelei, gemeinsam getroffen. Und ich bin heilfroh, dass die Option längerfristig getrennt zu leben keine mehr ist! Obwohl ich jetzt ohne den Göttergatten grillen kann. Ich kann sogar ohne ihn leben, für ein Jahr. Aber ich will es nicht, das ist das Ding.

Und jetzt schleppe ich mich erst mal zum Sporteln, weil: Nothing worth having comes easy, they say. Enjoy!

Tag 41.1 von 42 – Expatstatus: Es bleibt kompliziert

Aber die Tatsache das wir familiäre Unterstützung haben macht es viel einfacher. Deshalb können wir es uns erlauben, die Zeit des should-we-stay-or-should-we-go-now noch ein ganz klein wenig zu strecken. Treffen heute noch keine Entscheidung, wo wir im Dezember leben.

Einer der Gründe: Nach dem Platzen des ersten versprochenen Jobs für den Mann steht immer noch eine zweite Joboption im Raum. Schaun wir mal. Dann sehen wir schon.

Der Mann und ich, wir bewerben uns währenddessen beide auf Stellen in Deutschland. Ich zurzeit nur in Bremen, er deutschlandweit. Gleichzeitig halten wir, ein wenig uninspiriert, Ausschau nach einer Gastfamilie, bei der der 16 jährige Sohn von Januar bis November 2018 sein Abiturjahr in East London am Merrifield College verbringen kann. So ganz gerne geben wir den Sohn gar nicht her. Aber er findet das unproblematisch, da will man ja nicht helikoptern.

Überhaupt haben wir beschlossen, dass wir jetzt aufhören, uns so schrecklich viele Sorgen um alles zu machen. Der Mann und ich, wir haben uns die Freiheit gegeben, dass wir ab sofort jederzeit entscheiden dürfen nach Deutschland zu gehen. Wer die Unklarheit nicht mehr will, nicht mehr kann, der sagt zum Anderen: Stop, mir reicht’s. Wir gehen. Auto verkaufen, Verträge kündigen. Und dann ist das so.

So lange das keiner sagt, machen wir es uns noch eine kleine Weile im Dazwischen so gemütlich wie es geht. Weil, das ewige Gedenke und Gegrübele und Sorgen machen, das ist alles Quatsch. Es wird schon alles irgendwie gut werden, egal wo wir leben. Alle vier haben wir das beschlossen, das ist klasse. Und deshalb jetzt: Stop. Wochenende. Ferien. Und in einer Woche bin ich dann zurück auf diesem Kanal. Bis dahin: herzliche Grüße aus East London!

 

Tag 41 von 42 – Just See With Me: Frühling in Cape Town

Heute haben die Schulferien in Südafrika angefangen und hey, sogar die Sonne scheint, als erinnere sie sich plötzlich: Hier ist ja Frühling!

Letztes Jahr fielen die südafrikanischen Frühlingsferien optimal mit den Bremer Herbstferien zusammen. Wir vier East Londoner sind also mit dem Auto nach Cape Town gefahren, haben unsere drei Bremer Freunde in Empfang genommen, und sind dann gemeinsam am Meer entlang mit ihnen nach East London zurückgefahren. Diese Tour entlang der Garden Route haben wir mit ein paar Tagen Urlaub in Südafrikas ‚Mother City‘ begonnen, das ist ein absolutes Muss. Obwohl ein paar Tage Cape Town auch immer ein paar Tage zu wenig sind, das habe ich in den letzten Jahren mehrfach ausprobiert. Ist einfach so, das ändert sich nicht.

However: Unser dreistöckiges Haus in der Loader Street im Ortsteil De Waterkant war der perfekte Ort um anzukommen, von dort aus die Stadt zu erkunden und sogar nachts autofrei essen zu gehen. Nächtliches Umherspazieren in der Stadt, I so miss that! Das Haus haben wir über De Waterkant Village gebucht. Die haben ganz verschiedene Unterkünfte im Angebot, die Buchung und alles drumherum war umkompliziert und freundlich.

Mein Plan für heute heißt: Den Ferienbeginn genießen! Davor gibt es von mir aber erst noch ein paar unbearbeitete, schnelle Cape Town Schnappschüsse. Darunter das bestimmt schönste Bild eines Menschen, der Isabel Bogdans ‚Der Pfau‘ liest, right? Otherwise: Proof me wrong!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 40 von 42 – Integrationskurs Südafrika, Teil 1: Verkehrsregeln

Heute gibt es ein wenig Anschauungsmaterial zum Thema Verkehrsverhalten in Südafrika:

1.) Ladungssicherung:

Ladungssicherung muss, zum Schutze aller Verkehrsteilnehmer, sehr ernst genommen werden. Siehe Beispielfoto: Ein Mensch alleine könnte diese beiden losen Matratzen nicht halten. Das ist ein Job, der immer mindestens zu zweit und von erfahrenem Fachpersonal erledigt werden muss!

 

 

2.) Korrektes Verhalten an der Ampel

Die Funktion der Ampeln ist hier eine andere als beispielsweise in Deutschland. Deshalb heißen sie hier auch nicht Ampeln, sondern Robots. Ihre Kernfunktion erklärt Trevor Noah ganz wunderbar: „They add atmosphere to the intersection.“ Sie sorgen mit ihren hübschen Lichtspielen für die angenehme Atmosphäre an der Kreuzung. Das weiß ich seit Trevor es den USA erklärt hat, hier.

 

 

3.) Wer bremst, verliert!

Nicht jeder Verkehrsteilnehmer lässt regelmäßig seine Bremsen erneuern. Also, eher die wenigsten Verkehrsteilnehmer. Das Kleingeld fehlt, eine Pflicht zur Überprüfung des eigenen Autos gibt es nicht. Der Göttergatte hat das also mal ausprobiert: bei Dunkelorange an der Ampel gebremst. Netterweise war der Auffahrunfallmann versichert und wir hatten das Geld für die Reparatur nach einem Jahr wieder. Seitdem halte ich mich auch an die Regel: Wer bremst, verliert. Verliert alles außer den Lurch auf der Windschutzscheibe. Der beherrscht nämlich eine 1-A-Personensicherung. Lurchsicherung. Whatever. Hauptsache: Drive safe!

 

Tag 39 von 42 – Termin! #EastLondon #TopsAndTags #Wheelchair #Recycling

In letzter Zeit muss ich ja immer solche Sachen machen. Zum Beispiel in der erst halbwegs gemütlichen neuen Wohnung blöde Behälter aufstellen, in denen irgendwelcher Plastikmüll einer unklaren Zukunft harrt. Weil: die Tochter und ihr Eco Club am Merrifield College.

Warum und wofür wir diesen Plastikmüll mietfrei in unserer Küche wohnen lassen, das war mir lange unklar. Aber was tut man nicht alles. Dem Sohn zuhören was in der Welt- und der Deutschlandpolitik komplett falsch läuft und wie man alles besser machen könnte, wenn man es nur endlich richtig machen würde. Der Tochter beim Sammeln obskuren Mülls helfen. Kann ich.

 

Dann hatte ich kürzlich so ein Aha Erlebnis. Ich stand bei PnA, einem Büroartikelladen in Nahoon. An der Kasse dort wurde so ziemlich der gleiche Plastikmüll gesammelt wie in meiner Küche: bottle tops und bread tags, also Flaschendeckel und diese kleinen, weißen Dinger, mit denen die Brottüten zugemacht werden. Da habe ich mal eben nachgefragt, was es damit auf sich hat, und bin bei PnA offensichtlich an die genau richtige Adresse für meine Frage geraten.

 

Rechts vor PnA steht die Tonne für die bread tags und bottle tops, auch im PnA selber gibt es eine Sammelstelle. Wer mehr Fragen zum Projekt hat: Nach Maryke fragen, die hilft gerne weiter.

 

Dieses Plastik ist anscheinend ein Wertstoff, für den es echtes Geld gibt, wenn man ihn an die richtigen Leute verkauft. 450 kg bottle tops oder 50 kg bread tags ergeben jeweils ungefähr die 10.000 Rand, die man braucht, um einen Standardrollstuhl für einen Erwachsenen anzuschaffen. Das macht die Sweetheart Foundation: Plastik sammeln, verkaufen und von dem Erlös Rollstühle an Menschen in der Region spenden. Menschen die dringend einen brauchen, sich aber selber keinen leisten können. Morgen zum Beispiel, in Nahoon.

 

 

Kayla Eberhardt hat die Idee des Sweetheart Foundation Recyclingprojektes nach East London  gebracht. Als die junge East Londonerin in Port Elizabeth studiert hat, war sie dort ehrenamtlich für die Sweethearts Foundation tätig. Kayla fand die Idee so klasse, dass sie ihre Eltern davon überzeugt hat. Denen wiederum gehört die Pagegroup, also Wakaberry Frozen Joghurt, Steers und PnA: zwei Mal lecker Fastfood, ein Mal ein Büroartikelladen. Die Pagegroup hat sich überlegt zum Auftakt der Sammelaktion erst mal 5 Rollstühle zu spenden. Damit wiederum hat sie es innerhab weniger Monate geschafft, die Kernidee in den lokalen Medien populär zu machen: Plastik zu sammeln und den Wertstoff gegen Rollstühle einzutauschen.

Schon jetzt beteiligen sich jede Menge Schulen daran, Jonginenge Eco-Adventure bringt #TagsAndTops nach dem Beach Cleanup vorbei, immer mehr Plastiksammelstellen in East Londoner Privatküchen entstehen. De facto wird es also immer weniger Plastik an den falschen Stellen und immer mehr Rollstühle an den richtigen Stellen geben. Das finde ich gut.

 

 

Als ich mir bei PnA die Hintergründe des Plastik Sammelns erklären ließ, hat mich die Marketingbeauftragte Maryke Fuls direkt zur Übergabe des nächsten Rollstuhles eingeladen: Ein freundliches PR Event bei Sonnenschein und Livemusik, ganz klassisch mit lecker Schnittchen und allem Drum und Dran. Vor allem aber mit viel Raum um Fragen zum Projekt zu stellen und mit dem Empfänger des Rollstuhles, Mr. Mtima, ins Gespräch zu kommen.

Mziwakhe Mtima ist 67 Jahre alt und lebt in Mdantsane. Da ihm aufgrund seiner Diabetes beide Beine amputiert wurden, ist er dringend auf einen Rollstuhl angewiesen. Er lebt alleine, geteerte Straßen sind in seiner Wohngegend nicht sehr verbreitet. Er hat mir aber versichert, das er mit diesem Rollstuhl, nach einigen kleinen Umbauten, sehr gut alleine im Alltag zurechtkommen wird. Seine Therapeutin Katherine Jones hat ihm zugesagt, dass sie auch für diese Umbauten kurzfristig Lösungen finden werden. Katherine arbeitet am Cecilia Makiwane Hospital. In dem sie Mr. Mtima geholfen hat sich auf einen Rollstuhl der Sweethearts Foundation zu bewerben, sind ihm zwei Jahre Warten auf einen Rollstuhl erspart geblieben.

Wie so ein Antrag genau funktioniert, das kann man hier nachlesen.

 

Von links nach rechts: Mziwakhe Mtima, Kayla Eberhardt, Penny.

 

Wer sich für das Thema interessiert, der darf sich jetzt eingeladen fühlen, morgen Vormittag ist es schon wieder so weit: Am Donnerstag, den 28.9.2017 gegen 10:45 oben an der Kreuzung in Nahoon bei PnA, da wird der nächste Rollstuhl übergeben. Einfach vorbeikommen, für das RSVP ist es eh‘ zu spät und außerdem nimmt das her eh‘ keiner ernst.

Genaue Adressen brauchen wir hier ja nicht in unserem Dorf, gell. Oben an der Ampel, Nahoon. Hier noch mal der Flyer:

 

 

Der Rest findet sich dann. Einfach mal Hallo sagen, neue Leute kennenlernen. Wer Fragen zu der Initiative hat, der kann immer gerne Maryke Fuls direkt kontakten: Sie weiß alles dazu oder findet es heraus. Außerdem freut sie sich sehr über neue Kooperationspartner. Here we go:

 

Weitere Links:

Website der Foundation: www.sweetheartsfoundation.org

Hashtag der Foundation: #TopsAndTags

Die Pagegroup auf Facebook

Tag 38 von 42 – Hier und Jetzt und das ganze Dazwischen

 

Der Lieblingsmann flitzt durch die Republik, die deutsche, und trifft wichtige Leute, er sucht seinen zukünftigen Job. Nicht irgendeinen Job, sondern einen Job der die Welt verbessert, vor allem in Sachen Klimaschutz. Im Job suchen ist er gut, zum Glück nicht nur im Suchen, sondern auch im Finden. Aber noch ist nix fix, noch ist alles offen. The future is sowas von unwritten, es ist kaum auszuhalten.

 

 

Ich gebe derweil hier in East London weiter die Mutter, Hausfrau und Kindertaxifahrerin. Die dringend wissen will, was denn nun als Nächstes kommt: wieder ein Umzug? Hierbleiben? Man weiß es nicht und man weiß nicht was man sich wünschen soll. Und ob man sich mit der Wünscherei nicht nur unglücklich macht. Man hat es einfach nicht wirklich in der Hand. We follow the job, mainly. Das hier sind die wahrscheinlichsten Optionen (Übrigens: Ihr müsst das nicht lesen, gell. Könnt einfach die Bilder anschauen. Ich muss nur mal meinen Kopf klarkriegen. Aufschreiben hilft dabei.):

1.) Zurück in unser schönes Haus in Bremen gehen, zu bekannten Wegen, bekannten Orten. Zum Fußballverein, zum Lieblingsdönerladen, vor allem: Zu Freunden. Das wäre ein Hauptgewinn, in vieler Hinsicht. Sehr wahrscheinlich ist es nicht, das es Bremen wird, wenn man sich den Jobmarkt da ansieht. Und dann ist da auch immer noch das mit dem Bremer Wetter. Aber ja, Freunde. Die wärmen ja auch. Und unser Haus haben wir frisch renoviert, bevor wir nach Südafrika gezogen sind. Neue Fenster, Wandheizung, Kaminofen, Platz für Gäste. Optionen.

 

 

2.) Das wir nach Berlin gehen, wo die politischen Entscheidungen getroffen werden, an denen der Göttergatte mitwirken will. Wo die Hauptstadt brummt, die Museen rufen und der Stadt dringend noch ein Hund fehlt, der vom Ordnungsamt wegen leinenlosen Laufens bestrafzettelt wird. Berlin, das hieße auch: Wieder ganz von vorne anfangen. Neue Schulen, neue Wege. Wenigstens ein paar bekannte Gesichter hat die Stadt für uns, das ist wirklich gut an ihr. Aber mit Hund? Bezahlbaren, hellen Wohnraum mit etwas grün drum herum finden, geht das da überhaupt?

3.) An East Londons Stränden bleiben. Und wenn der Göttergatte dann mal wieder hier ist und das Kinder kutschieren mit übernehmen kann, dann rufen mich Port Elizabeth, Cape Town, Johannesburg. Ich nenne dem Göttergatten Social Media Weiterbildungen als Reisegrund und habe dann ganz aus Versehen die beste Zeit da. Habe ich schon ausprobiert, das läuft richtig gut!

Der allerlauteste Ruf aber geht von unserer East Londoner Schule, dem Merrifield College aus: Der Sohn könnte sein Abi hier in einem Jahr machen, in Deutschland würden es wohl 2,5 Jahre. Und vor allem: Wir lieben diese Schule. Und den Strand. Und die Sonnenstunden. Und den Wein und die Häppchen am Elternabend. Nein, ohne die ginge es. Aber ohne die Sonne? Das Meer? Und hey: Freunde haben wir hier ja auch…Seufzeinwenig.

 

 

Nun, vorerst bin ich wohl noch hier in East London, als Hausfrau, Mutter und ein bisschen als Bloggerin. Heute bekommt ihr deshalb von mir ein paar Strandphotos. Mit Regenbogen, einem  der ganz hübsch kitschig für Hoffnung steht. Hoffnung darauf, dass das, was in Zukunft kommt, gut wird. Was auch immer es ist. Und das ich, bevor es gut wird, nicht durchdrehe wegen all der Optionen. Es sind mehr als 1.), 2.), 3.).  Ich selber suche auch Jobs, fange an mich in Deutschland auf PR Jobs zu bewerben, Häuser anzuschauen. Alles im Internet. Es bleibt surreal.

So ein Regenbogen ist ja immer nur  kurz am Himmel zu sehen, ich finde der taugt als Symbol für heute doppelt: als eine Erinnerung daran, dass es neben den tausend Gedanken über die Zukunft auch noch zwei andere Faktoren zu beachten gibt. Die heißen das HIER und das JETZT. Und die beiden sind nicht die schlechtesten Weggenossen. I’ll meet them at the beach.

 

Tag 35 (und 36 und 37) von 42 – Late for church today…

Nein, auf dem Fußweg vom Bonza Bay Parkplatz zum Meer darf man nicht mit dem Auto fahren. Doch, die Insassen sind bei dem Unfall glimpflich weggekommen, das haben mir die Polizisten vor Ort versichert. Ja, wenn man trotz Fahrverbot mit dem Auto nachts an den Strand fährt, dann hat man eine wahnsinnstolle Aussicht. Nein, man bleibt bei der Rückfahrt nicht unbedingt im Trockenen. Vor allem dann nicht, wenn man diesen kleinen Knick im Fußweg übersieht. Jepp, die Schadenfreude am Unfallort schlug hohe Wellen. Ich glaube nicht zuletzt, weil alle das Gleiche dachten wie ich: Das hätte mir auch passieren können. Vor zwanzig Jahren oder so. Nachdem der Kofferraum dann endlich leer getrunken war.

Was passiert, wenn Leute betrunken Auto fahren, ist meistens kein Joke in Südafrika. An diesem Sonntagmorgen in Bonza Bay war es einer. Mein Lieblingssatz von einem der kichernden, südafrikanischen Passanten:

„Somebody will be late for church today…“

In diesem Sinne wünsche ich ein schönes, für uns in Südafrika drei Tage langes, Wochenende!

PS: Montag blogge ich nicht, da feiern wir hier Heritage Day. Das ist ein Tag, an dem die verschiedenen Volksgruppen in Südafrika ihre Traditionen feiern. Das Straßenbild ändert sich in den Tagen um Heritage Day, insbesondere dank der hier dominierenden Volksgruppe der Xhosa wird es deutlich bunter, es ist ein Pracht! Mir wird jedes Jahr nahegelegt, das meine traditionelle Kleidung ja das Dirndl sei. Als Bremerin. Da weiß man manchmal nicht, ob man lachen oder weinen soll, gell. Man leistet dann Aufklärungsarbeit. Bis zum nächsten Mal. Aber von wegen des Feierns der Vielfältigkeit, das erinnert mich an etwas, das ich dringend heute noch loswerden muss in Richtung Deutschland: Tut am Sonntag das Richtige. Wählt keine Nazis. Nazis sind kein Teil unserer deutschen Geschichte, den wir jemals wieder feiern sehen wollen. Nazis sind Arschlöcher, die keine Macht bekommen dürfen. Wir haben das schon einmal ausprobiert in Deutschland, ihr erinnert euch. Deshalb: Haut die weg, bitte. Danke!

Tag 34 von 42 – Rolling for World Rhino Day!

Hey, dass mit den Rhinos, also den Nashörnern, was für ein Thema! Damals in Deutschland wusste ich noch wenig darüber, dass die beeindruckenden Dickhäuter wegen ihres Horns so sehr gejagt werden. Manche Rhinoarten sind schon ausgestorben und auch das Aussterben aller Rhinos droht. Ihr einzigr Feind: Menschen.

In Südafrika ist das Thema sehr sichtbar, zum Beispiel an den Schulen: Gegen eine Geldspende bekommen die Kids einen Sticker, der anzeigt, das man den Rhinoschutz unterstützt. Mit dem Sticker darf man heute, am World Rhino Day, in Alltagskleidung zur Schule kommen, muss also die sonst obligatorische Schuluniform nicht tragen. Eine gängige und wirksame Form, landesweit Aufmerksamkeit und Geld für ein Thema zu bekommen und immer wieder über Tag daran erinnert zu werden: Warum tragen die Schüler keine Schuluniform? Ah, natürlich: It’s World Rhino Day!

 

 

Das Kernproblem der Rhinos: Männer mit Potenzängsten

Sorry to say, aber im Groben würde ich zusammenfassen, dass derzeit die größte Gruppe der Problemverursacher steinreiche Männer sind, die in irgendeiner Weise um ihre Potenz bangen. Dem Rhinohorn werden alle möglichen Wunderwirkungen angedichtet. Es verspricht dem Besitzer Statussteigerung, wenn es an seiner Wand hängt und Potenzsteigerung, wenn er es isst. Auch andere medizinische Ammenmärchen sorgen dafür, dass diesen Tieren von erbarmungslosen Wilderern bei lebendigem Leibe das Horn abgesägt wird. Möglichst tief im Fleisch abgesägt, denn das Horn soll möglichst lang sein. Natürlich, wer hätte das gedacht.

Das Ende vom Lied ist oft, dass das Rhino einen qualvollen Tod stirbt. Das verletzte Tier wird zu spät gefunden, die Wunde ist zu groß, es verblutet, die Stelle entzündet sich, whatever. Boah, das Thema macht mich echt sauer und fragt erst mal, wie sich die Leute fühlen, die direkt mit den verletzten Rhinos arbeiten. Und wie es diesen langsam sterbenden Riesen geht…

 

 

Rhinoschutz hat Unterstützer

Zum Glück, und nur weil es viele aktive Menschen gibt die sich zum Schutz der Rhinos engagieren, gibt es auch andere Storys. Ganz manchmal werden die sogenannten `poacher´, also die Wilderer, gefasst. Manchmal werden verletzte Rhinos gefunden, bevor der Blutverlust zu groß ist. Manchmal schaffen es Rhinos, deren Gesundheitszustand als hoffnungslos gilt, durch monatelange, intensive, medizinische Versorgung zu überleben. Diese glücklichen manchmal-Aktionen basieren auf jeder Menge Kraft, Geld und Infrastruktur.

Ein Projekt aus East London, das diesen Rhinoschutz unterstützt, möchte ich hier vorstellen. Es ist ein sehr junges Projekt, das finde ich beeindruckend und inspirierend: Rolling Rhinos wurde vor 3 Jahren von dem heute 13 jährigen Schüler Riley Devan vom Selborne College initiiert.

Riley, ich danke dir für deine harte Arbeit zum Schutz der Rhinos. Ich finde es sehr inspirierend zu sehen, was du bewegst: Hohe Spenden einwerben – Aufmerksamkeit schaffen für dein Thema – ein eigenes Produkt vermarkten – langfristig und nachhaltig Spendengelder einwerben… Ich bin wirklich beeindruckt davon und ich glaube, dass diese selbstgewählte Aufgabe manchmal ganz schön anstrengend ist. Du hast meinen Respekt und Dank, thank you for being so committed!

 

 

Riley Devans Rolling Rhinos

Mit 10 Jahren hat Riley festgestellt, dass er und sein Vater das gleiche Lieblingstier haben: das Nashorn, das Rhino. Riley wurde klar, dass es passieren kann, dass er selber seinen zukünftigen Kindern kein Nashorn mehr zeigen kann, weil sie ausgestorben sein können, wenn er erst mal erwachsen ist. In den letzten drei Jahren hat Riley sich deshalb Wege überlegt, wie er Geld für den Schutz der Rhinos erwirtschaften kann: Vom Popcornverkauf an der Schule bis dahin ein eigenes Spiel zu entwickeln. Ein Spiel, das in East London hergestellt wird und mittlerweile international und online verkauft wird: Rolling Rhinos.

 

 

Rolling Rhinos – Das Spiel aus East London!

Selber ausprobiert habe ich es noch nicht, aber es sieht bezaubernd aus, durch und durch mit Liebe gefertigt: ein Säckchen aus Shweshwestoff, zwei Rhinofigürchen, die mit einem goldenen, afrikaförmigen Fleck versehen sind. Dazu Block, Stift und Spielanleitung, fertig. Man würfelt mit den Rhinos und, je nachdem wie sie landen, werden Punkte gezählt. Empfohlen wird das Spiel für 5-12 jährige Kinder. Gerüchteweise heißt es aber, das East Londoner Erwachsene es auch schon spontan zu einem passablen Trinkspiel umgearbeitet haben. Wie, das bleibt eurer Phantasie überlassen. Ihr schafft das schon.

 

 

Weihnachten kommt immer früher als man denkt!

Heute am World Rhino Day ist Rileys kleine aber sehr feine Website Rolling Rhinos gelauncht worden, da könnt ihr alles Weitere nachlesen: wie man das Spiel bekommt, was die Medien über Rileys Projekte sagen, wen er mit seinen Einnahmen unterstützt. Wer noch mehr Fragen hat, der kann auch über Rileys Website direkt zur lieben Meg Devan, Rileys Mutter, Kontakt aufnehmen. Die ist superfreundlich und hilft dir gerne weiter. Außerdem freut sie sich bestimmt dolle rechtzeitig Bescheid zu kriegen, falls dir gerade zufällig auffällt, das dieses Spiel das perfekte Weihnachtsgeschenk von uns East Londoner Expats für all die daheimgeblieben in Deutschland ist. Just saying 😉 Habt Spaß damit! Enjoy!

Thank you, Meg , for allowing me to use the photos of the Rolling Rhino game taken by Will Granzier and Lisa Jones! Thank you life, that I was able to take the Rhino photos myself…Mehr noch als das Photographieren war die Tatsache, eine lange Zeit ganz in Ruhe in der Nähe dieser Tiere sein zu dürfen, ein Erlebnis, für das ich sehr dankbar bin!