East London, See With Me
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Tag 21 (und 22) von 42 – Bergfest! Wochenende! Auszeit!

Ha, dieses Wochenende feiere ich Bergfest, es ist Samstag, der 9. September und der erste Teil meines 42 Tage Blogmarathons ist erreicht: Ein kurzer Beitrag pro Tag, kein großer Anspruch an Text- oder Bildperfektion.

Das erfordert eine ganze Menge Mut zum Fehler machen, auch Mut zur Lücke, das ist eine echte Herausforderung für mich. Aber jetzt im Moment, bis zum Tag 42, soll mein Blog einfach nur ein kleines Guckloch sein, durch das man jeden Tag ein wenig Südafrika sieht: mal das Alltägliche, mal das Urlaubige. Das klappt ganz gut finde ich. Die Themen gehen mir nicht aus. Auf der Festplatte meines Macs stapeln sich die Photos und in meinen Notizbüchern Aufschriebe aus Cape Town und Pretoria, aus den Drakensbergen und aus Durban. In meinem Kopf formen sich dringend zu schreibende Geschichten: Über Expatprobleme und alle Arten von Lösungen, die hiesigen, vielfältigen Ess- und Trinkgewohnheiten, Festivaltipps für Langzeitplanende und Musiker von Weltklasse aus East London…Aber hey, One step at a time. Weil, manchmal muss man auch mal ganz vor allem nichts tun. Sitzen. Sein.

Der Alltag überrascht mich immer noch mit Umzugsnachwehen. Abends um halb sieben klopfen junge Männer an meine Tür, meine Vermieterin hat sie geschickt, sie sagen sie seien die Elektriker. Ihr Auto sieht aus, als würde es nur ganz eventuell die steile Zufahrt zu unserem Haus wieder hinaufkommen. Kein Firmenname auf Auto oder Kleidung, nichts offizielles. Sie bleiben zwei Stunden, nehmen meine Deckenlampe ab, schrauben den Wandschalter lose, diagnostizieren einen kaputten Dimmer. Ich versuche für meine Kinder zu kochen, halte stattdessen aber lieber die Leiter mit den Jungs darauf fest. Deutsche Angst, I guess, mir scheint das alles zu wackelig was die da machen, die machen das aber ständig so, das passt wohl schon. Als die riesige Deckenlampe endlich ein wenig lose ist, fällt der Strom aus, und sie schwören sie seien unschuldig. Es stimmt, im ganzen Viertel ist der Strom aus und ich hoffe sie sind wirklich unschuldig. Wieder telefonieren sie ganz viel, debattieren in ihrer wunderschönen Sprache, Xhosa. Sie schauen besorgt und schrauben die Lampe wieder an. Telefonieren wieder. Fordern mich auf ein Photo von der Rückseite der Lampe zu machen, damit auch ich meine Freunde fragen kann, warum die Lampe im ausgeschalteten Zustand wohl so ein Geräusch macht, als würden in der Ferne Pferde galoppieren. Ich seufze ein wenig. Dann mache ich ein Photo. Die Elektrizität kommt zurück. Vorerst, der Abend ist noch lang.

Also, mein Auftrag: Wer kennt diese Lampe und den Grund dafür das sie galoppiert? Auftrag ausgeführt Jungs, das muss reichen. Not my job.

Ich habe an dem besagten Mittwoch schon dem Mann geholfen, der auch sagte das er der Handwerker sei. Auch er wurde von meiner Vermieterin geschickt, um meine Glasschiebetüren zu reparieren. Hat er gemacht, nach intensiver Beratung mit mir. Ich habe zwar keine Ahnung von sowas und dachte auch ich hätte gar keine Zeit dafür, sondern müsste meinen eigenen Kram regeln, aber egal. Die Türen funktionieren jetzt.

Nur bin ich gerade wirklich ein bisschen müde von alledem. Aber immerhin bin ich nicht allein: Die Jungs, die mir nach zwei Monaten endlich eine funktionierende Waschmaschine hingestellt haben, waren nun weit über zehn mal da zum An- und Abtransport von Elektrogeräten und deren „Reparatur“ vor Ort in meiner Küche mit den weißen Fliesen. Oft bei Regenwetter. Wahrscheinlich weil ich so gerne putze. Ach egal, sollten wir je eine Housewarmingparty in unserem neuen Haus machen, werde ich sie einladen müssen, sie gehören mittlerweile quasi zum Inventar. Und würdigen das ich den ganzen Quatsch mit Humor nehmen, ganz normal ist dieses wochenlange Repariere auch in ihrer Welt nicht, ich hatte wohl einfach ein wenig Pech.

Dieses Wochenende nun nehme ich mir eine Pause, eine Auszeit vom Bloggen und allem rund-um-das-Haus-Quatsch. Ich brauche diese Pause dringend, zumal nun auch noch meine Waage kaputt gegangen ist. Die mit der man das Körpergewicht misst. Sie ist kaputt. Erst dachte ich ja, ich hätte über den Winter unmäßig an Gewicht zugelegt. Dann ist zum Glück meine Freundin Nita vorbeigekommen, hat sich darauf gestellt und lauthals verkündet: „Your scale is broken! It’s definately broken!“ Ich war sehr erleichtert! Allerdings kann ich mich jetzt nicht auch noch um kaputte Waagen kümmern, ich muss erst mal sehen wie ich organisiere, dass ich das hoffentlich heile Auto aus der Werkstatt zurückbekomme. Und dann mache ich Wochenende. Pause vom Blog, Bergfest. Das Wetter ist gut und mein Nervenkostüm braucht Sonne und Bewegung an der frischen Luft, viel davon. Und nächste Woche bringe ich euch dann wieder Photos mit, frische Photos, frisch geknipst im photogenen Port Elizabeth.

Bitte vergesst mich bis dahin nicht und vergesst auch nicht an diesem Wochenende an den Strand zu gehen. Zum Beispiel nach Bonza Bay in East London. Yeah! Weekend on my mind! Enjoy!

PS: Kleiner Nachtrag: Die Vermieterin sagt die Lampe sei abolut nicht zu reparieren, viel zu schwierig. Und kurz vor meiner Abfahrt nach Port Elizabeth hat die Neue neue Waschmaschine gesagt das sie auch lieber kaputt ist. Weiteratmen. Es ist alles nur eine Phase.

PS2: Die nachfolgenden Photos zeigen nicht meine Wohnung sondern Gebäude am Bonza Bay Strand. Doch, Kakerlaken habe ich auch schon in meiner Wohnung gesehen. Aber nur so süße, kleine Babykakerlaken.

PS3: Geh an den Strand. Jetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Kathrin sagt

    Da klingt auch Erschöpfung durch….war kürzlich mit meinem Auto in einer Gröpelinger Autowerkstatt, der nette Mann sagte, ah den Schalter zu reparieren ist ganz einfach!!! Sofort fühlte und sagte ich direkt: We fix it!! Mein Mann lachte mich aus, der Werkstattmann guckte kurz komisch! Aber wie oft ich das in SA hörte Wahnsinn normaler Wahnsinn, der einem hier dann doch ein bisschen fehlt.
    Wünsch Dir das bald alles heile ist, Phasen kommen und gehen.

    War heut in Vegesack, das ist nicht Bonza Bay….aber einen herzlichen Gruß aus der Heimat

    • Kathrin sagt

      Danke für den Gruß! Sag mal, bist du etwa auch aus dem Bremer Westen? Meine Kinder sind in Gröpelingen aufgewachsen, ich bin da zuhause. Ach, ich weiß das ich irgendwann über den ganzen Quatsch lache und versuche es ja schon jetzt zu tun 🙂 Danke für deine Perspektive…und ja: Wenn ich es mal mit dem Fahrrad oder Zug (wir hatten fast nie ein Auto)nach Vegesack geschafft habe, dann dachte ich immer: Warum machst du das nicht öfters? Ich krieg da reelle Urlaubsgefühle…und Bootstouren die Weser hinauf, herrlich! Ebenfalls Grüße aus der alten Heimat 😉

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