East London, Termine
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Tag 39 von 42 – Termin! #EastLondon #TopsAndTags #Wheelchair #Recycling

In letzter Zeit muss ich ja immer solche Sachen machen. Zum Beispiel in der erst halbwegs gemütlichen neuen Wohnung blöde Behälter aufstellen, in denen irgendwelcher Plastikmüll einer unklaren Zukunft harrt. Weil: die Tochter und ihr Eco Club am Merrifield College.

Warum und wofür wir diesen Plastikmüll mietfrei in unserer Küche wohnen lassen, das war mir lange unklar. Aber was tut man nicht alles. Dem Sohn zuhören was in der Welt- und der Deutschlandpolitik komplett falsch läuft und wie man alles besser machen könnte, wenn man es nur endlich richtig machen würde. Der Tochter beim Sammeln obskuren Mülls helfen. Kann ich.

 

Dann hatte ich kürzlich so ein Aha Erlebnis. Ich stand bei PnA, einem Büroartikelladen in Nahoon. An der Kasse dort wurde so ziemlich der gleiche Plastikmüll gesammelt wie in meiner Küche: bottle tops und bread tags, also Flaschendeckel und diese kleinen, weißen Dinger, mit denen die Brottüten zugemacht werden. Da habe ich mal eben nachgefragt, was es damit auf sich hat, und bin bei PnA offensichtlich an die genau richtige Adresse für meine Frage geraten.

 

Rechts vor PnA steht die Tonne für die bread tags und bottle tops, auch im PnA selber gibt es eine Sammelstelle. Wer mehr Fragen zum Projekt hat: Nach Maryke fragen, die hilft gerne weiter.

 

Dieses Plastik ist anscheinend ein Wertstoff, für den es echtes Geld gibt, wenn man ihn an die richtigen Leute verkauft. 450 kg bottle tops oder 50 kg bread tags ergeben jeweils ungefähr die 10.000 Rand, die man braucht, um einen Standardrollstuhl für einen Erwachsenen anzuschaffen. Das macht die Sweetheart Foundation: Plastik sammeln, verkaufen und von dem Erlös Rollstühle an Menschen in der Region spenden. Menschen die dringend einen brauchen, sich aber selber keinen leisten können. Morgen zum Beispiel, in Nahoon.

 

 

Kayla Eberhardt hat die Idee des Sweetheart Foundation Recyclingprojektes nach East London  gebracht. Als die junge East Londonerin in Port Elizabeth studiert hat, war sie dort ehrenamtlich für die Sweethearts Foundation tätig. Kayla fand die Idee so klasse, dass sie ihre Eltern davon überzeugt hat. Denen wiederum gehört die Pagegroup, also Wakaberry Frozen Joghurt, Steers und PnA: zwei Mal lecker Fastfood, ein Mal ein Büroartikelladen. Die Pagegroup hat sich überlegt zum Auftakt der Sammelaktion erst mal 5 Rollstühle zu spenden. Damit wiederum hat sie es innerhab weniger Monate geschafft, die Kernidee in den lokalen Medien populär zu machen: Plastik zu sammeln und den Wertstoff gegen Rollstühle einzutauschen.

Schon jetzt beteiligen sich jede Menge Schulen daran, Jonginenge Eco-Adventure bringt #TagsAndTops nach dem Beach Cleanup vorbei, immer mehr Plastiksammelstellen in East Londoner Privatküchen entstehen. De facto wird es also immer weniger Plastik an den falschen Stellen und immer mehr Rollstühle an den richtigen Stellen geben. Das finde ich gut.

 

 

Als ich mir bei PnA die Hintergründe des Plastik Sammelns erklären ließ, hat mich die Marketingbeauftragte Maryke Fuls direkt zur Übergabe des nächsten Rollstuhles eingeladen: Ein freundliches PR Event bei Sonnenschein und Livemusik, ganz klassisch mit lecker Schnittchen und allem Drum und Dran. Vor allem aber mit viel Raum um Fragen zum Projekt zu stellen und mit dem Empfänger des Rollstuhles, Mr. Mtima, ins Gespräch zu kommen.

Mziwakhe Mtima ist 67 Jahre alt und lebt in Mdantsane. Da ihm aufgrund seiner Diabetes beide Beine amputiert wurden, ist er dringend auf einen Rollstuhl angewiesen. Er lebt alleine, geteerte Straßen sind in seiner Wohngegend nicht sehr verbreitet. Er hat mir aber versichert, das er mit diesem Rollstuhl, nach einigen kleinen Umbauten, sehr gut alleine im Alltag zurechtkommen wird. Seine Therapeutin Katherine Jones hat ihm zugesagt, dass sie auch für diese Umbauten kurzfristig Lösungen finden werden. Katherine arbeitet am Cecilia Makiwane Hospital. In dem sie Mr. Mtima geholfen hat sich auf einen Rollstuhl der Sweethearts Foundation zu bewerben, sind ihm zwei Jahre Warten auf einen Rollstuhl erspart geblieben.

Wie so ein Antrag genau funktioniert, das kann man hier nachlesen.

 

Von links nach rechts: Mziwakhe Mtima, Kayla Eberhardt, Penny.

 

Wer sich für das Thema interessiert, der darf sich jetzt eingeladen fühlen, morgen Vormittag ist es schon wieder so weit: Am Donnerstag, den 28.9.2017 gegen 10:45 oben an der Kreuzung in Nahoon bei PnA, da wird der nächste Rollstuhl übergeben. Einfach vorbeikommen, für das RSVP ist es eh‘ zu spät und außerdem nimmt das her eh‘ keiner ernst.

Genaue Adressen brauchen wir hier ja nicht in unserem Dorf, gell. Oben an der Ampel, Nahoon. Hier noch mal der Flyer:

 

 

Der Rest findet sich dann. Einfach mal Hallo sagen, neue Leute kennenlernen. Wer Fragen zu der Initiative hat, der kann immer gerne Maryke Fuls direkt kontakten: Sie weiß alles dazu oder findet es heraus. Außerdem freut sie sich sehr über neue Kooperationspartner. Here we go:

 

Weitere Links:

Website der Foundation: www.sweetheartsfoundation.org

Hashtag der Foundation: #TopsAndTags

Die Pagegroup auf Facebook

4 Kommentare

    • Kathrin sagt

      Das freut mich, ich finde die auch klasse! Ja der Rand, der bewegt sich halt so sehr eine freudige Hunderute. Die Gründe dafür sind meist aber eher traurig für die meisten Südafrikaner. So viel Armut hier, der ANC hat in den letzten zwei Jahrzehnten nichts dafür getan, damit das Volk hier auf breiter Basis Zugang zu guter Bildung erlangt…Südafrika ist heute in den Händen einer Familie, den Guptas. Und den Händen von Zuma, der hat auch eine große Familie, für deren Wohlergehen er sorgen muss. Damit auch alle seine Frauen, Kinder und Kindeskinder immer im goldenen Pool baden können. Also um deine Frage zu beantworten: heute wären 10.000 Rand ca. 630 €.

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