East London, Expat
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Tag 41.2 von 42 – Plaudertaschentagebucheintrag. Und ein Plan.

 

Die Ferien sind fast vorbei. „Und, was habt ihr so gemacht?“ „Nichts.“ Das ist natürlich Quatsch. Wir sind in den zehn Tagen Frühlingsferien nicht weggefahren, soweit stimmt es. Was aber habe ich gemacht, lass‘ mal überlegen, was mir da so einfällt.

 

 

Ich war, nach einer ewigen Winterpause, wieder zum Sporteln im Gym. Und ein Mal beim 5 km Parkrun. Dazu drei Mal beim Pilates und viel zu wenig mit dem Hund am Strand. Das wird der, ohne zu zögern, jederzeit bestätigen.

Außerdem habe ich in einem Tagesworkshop gelernt, wie man mit Annie Sloan Farben malt. Und sofort angefangen alles anzumalen, was mir im Weg steht. I love it!

 

 

Ich hatte Besuch von meiner Freundin Nita, mehrfach. Ihr Herd war kaputt, sie hat sich stattdessen vegan in meiner Küche ausgetobt. Leider ist ihr Herd jetzt wieder heile.

 

 

Ha, ich habe es geschafft, ohne Grillanzünder und ohne den Göttergatten einen spontanen Grillabend zu zelebrieren. Ich wollte das nicht, ich war müde und ich grille nie. Ich lasse grillen. Und es sind immer Männer, die grillen. Bis jetzt, bis zu diesem einzigen, richtig warmen Sommerabend, den die Ferien hergegeben haben. Als meine Tochter mir Mut gemacht hat und gesagt hat: Wir machen das jetzt! Dank ihr haben wir den Grill angekriegt, unsere ultraspontane Freundin Sizwe angerufen und alle gemeinsam einen leckeren lauen Grillabend genossen. Uli, schau, wir können das jetzt auch!

 

 

Meistens aber habe ich in diesen Ferien fleißig dem East Londoner Regengeprassel zugehört. Frühlingsferien, das hieß dieses Mal Regen, Regen, Regen. Der Gedanke, dass das Wetter so eine Art Trainingscamp für zukünftig in Bremen lebende Menschen ist, lag irgendwie nahe. Allerdings wissen wir ja noch gar nicht, ob wir das so schnell wirklich brauchen, das Brementraining. Was wir sicher wissen: East London hat den Regen dringendst gebraucht. Auch tröstlich.

 

 

Wenn es mal nicht geregnet hat, dann bin ich mit dem Töchterchen und den Bodyboards an den Strand gefahren. Wir haben richtig viel Spaß in den kalten Wellen gehabt. Und ich danach ein kleines bisschen Bauchmuskelkater. Was bedeuten muss: Da ist nicht nur Bauch, da sind auch Muskeln, right? Ich werde das noch herausfinden, der Sommer fängt hier schließlich gerade erst an.

 

 

Der Sohn war froh, dass er diese Südafrikaferien zum ersten Mal nicht reisen musste. Ich glaube, wir waren alle froh. Keine Elefanten, keine Giraffen, keine Abenteuer. Stattdessen: Ein wenig Strand. Ganz viel Couch-Potatoe. 22 Episoden The Flash auf Netflix gucken. Blöde Auswanderersoaps schauen. Faul sein. Nichts schaffen wollen. Luft holen, atmen.

Die nächste Runde Schule wird anstrengend. In Term 4, das von Oktober bis Dezember geht, werden Jahresendexamen geschrieben. Und außerdem wissen wir immer noch nicht, wo wir danach leben werden. Das ist auch anstrengend, sehr, für alle. Wir verschieben unsere Entscheidung aus Südafrika wegzugehen, weil uns hier noch immer erzählt wird, dass ein Job für den Mann in East London in greifbarer Nähe ist. Fakt ist: Zur Zeit leben wir hier, auch ohne Urlaub, deutlich über unsere Verhältnisse. Privatschule, zwei Autos, kein Kindergeld, das geht so richtig ans Eingemachte. Wie in den blöden Auswanderersoaps. Und bevor mal wieder jemand fragt: Ja, ich kenne Good Bye Deutschland mittlerweile. Nein, ich werde VOX nicht anrufen. Nein, die brauchen auch nicht bei mir anzurufen. Und nein, wir werden nicht in Südafrika bleiben, bis wir uns die Heimreise nicht mehr leisten können. Oder nur noch trocken Brot zu essen kriegen. We made a plan, don’t worry.

Und ja, wir machen immer weiter Pläne. Einer meiner Ferienspäße war es, Mietpreise für Wohnungen in Deutschland auszutüfteln. Denn der Göttergatte hat Jobinterviews in Deutschland. Weshalb mein Hirn automatisch Visionen von einem Leben produziert, das wahlweise in unserem Haus in Bremen oder in einer Mietwohnung in Berlin, Frankfurt oder Stuttgart stattfindet. Nein, nicht in Stuttgart, da will ich nicht hin, da wird mit Gold tapeziert. Leute, ehrlich: 1700 € kalt für vier Zimmer mit kleinem Garten?! Are you sure? Das gefällt mir nicht, da habe ich bessere Ideen. Zum Beispiel diese hier, die finde ich ganz spannend:

Ich bleibe alleine mit den Kindern und Hund Scooper noch ein weiteres Jahr in East London. Mein Sohn macht in dem Jahr hier sein Abi, anstatt in Deutschland noch 2,5 Jahre zur Schule zu gehen. Der Göttergatte klärt derweil, wo er arbeitet. Das bringt Klarheit in die Frage, wo wir als Familie in Zukunft leben werden. Weil ich dadurch noch ein weiteres Jahr auf die nicht-arbeitende-Hausfrau-Mutter-und-Kindertaxifahrerinnen-Rolle festgelegt bin, und darauf so gar keinen Bock mehr habe, entwickle ich neben meiner Kreativität und Begeisterungsfähigkeit mit 47 Jahren auch noch Disziplin und Zielgerichtetheit. Das konnte ich bislang nur im Job gut, die Selbstorganisation in meinem Expatleben ist eher so ein wenig Naja. Außer zu Zeiten, in denen ich mich von Erich Jordan habe coachen lassen, da war ich super organisiert. Ach, das ist überhaupt ein Plan, den engagiere ich einfach wieder.

 

 

Und dann passiert es: Mein Blog macht mich reich und berühmt, das kennt man ja aus Funk und Fernsehen. Das ist ja schon mal schön, aber noch schöner ist, dass ich zeitgleich auch wieder zu den Sportgewohnheiten zurückfinde, die ich bis anfangs dieses Jahres hatte: Sieben Stunden Sport in der Woche zu machen, mit viel Spaß. Dieses Mal aber nehme ich knapp zehn Kilo ab, zehn Kilo die ich nie wieder zunehme, wegen Muskelmasse und so, auch das kennt man.

Damit meine Ehe in dem Jahr am Leben bleibt, auch weil ich an gemeinsame Projekte glaube und da wirklich dolle Lust zu habe, schreibe ich neben meinen Schwimm- und Gymeinheiten gemeinsam mit dem Göttergatten an einem Buch. Der Arbeitstitel: Auswandern, wie man es nicht tun sollte. Auch das wird ein Bestseller, aber erst etwas später dann, man will ja in Deutschland auf Lesereise gehen.

Was jetzt sofort passiert: Weil die Welt Geschichten liebt, bei denen die Liebe über alle Hindernisse und Entfernungen hinweg siegt, kontaktet mich übermorgen ein Sponsor. Der zahlt dem Göttergatten ein Mal im Monat einen Flug von Deutschland nach East London. Der neue Arbeitgeber meines Mannes, lass mal sagen der arbeitet jetzt in so einem Weltverbesserer-Klimaschutz-Thinktank-Dings in Berlin Germany, sieht ein, dass er seinen Mitarbeiter nur halten kann, wenn er ihm regelmäßig bezahlten Sonderurlaub dafür gibt. Alle sind happy. Und ich werde schön und reich und glücklich. Das ist doch wirklich mal ein Plan. Let’s make it happen!

 

 

Nicht. It’s not gonna happen. Also der Teil, bei dem der Mann und ich auf verschiedenen Kontinenten leben, wird derzeit nicht passieren. Für den Rest, Universum, hast du meinen Segen. Aber mal ehrlich, das Konzept, das einige Leute in meinem Umfeld gewählt haben und das mir regelmäßig nahegelegt wird: Muttern bleibt mit den Kids in East London, derweil verdient Vattern das Geld irgendwo anders auf der Welt – das istmal definitiv nix für uns.

Diese Entscheidung haben wir Eltern, nach einiger Grübelei, gemeinsam getroffen. Und ich bin heilfroh, dass die Option längerfristig getrennt zu leben keine mehr ist! Obwohl ich jetzt ohne den Göttergatten grillen kann. Ich kann sogar ohne ihn leben, für ein Jahr. Aber ich will es nicht, das ist das Ding.

Und jetzt schleppe ich mich erst mal zum Sporteln, weil: Nothing worth having comes easy, they say. Enjoy!

4 Kommentare

    • Kathrin sagt

      Herzlichen Dank Petra, so einen Kommentar von dir finde ich wirklich sehr motivierend!Und Motivation kann ich gerade gut gebrauchen, puh 😉

    • Kathrin sagt

      Danke! Freut mich total das du mitliest und Freude daran hast! Das mit dem Job in Aussicht: Hier in EL heißt es: Zum Greifen nah. Aber das heißt es nun schon seit Monaten und das erste Projekt ist geplatzt, das Zweite denkbar unwahrscheinlich. In Deutschland regt sich was konkreteres, mehrere Sachen. Für die eine kommt er demnächst quasi vor eurer Haustüre vorbei! Dazu gibts noch mal ne‘ Privatnachricht 😉 Weißt ja wie das ist mit den ungelegten Eiern…

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