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41.3 von 42 – Was ich vermissen werde. Würde. Werde.

Am Samstag Morgen spontan mit der Teenietochter im East Londoner Toast Deli haltmachen. Mit dem Lemon Meringue Pie liebäugeln, der im Café unter so einer hübsch altmodischen Tortenabdeckung aus Glas thront. Erst mal durch die angrenzende Boutique schlendern: Nur gucken, nix kaufen. Das ist schwer, da ist dieser Wandspiegel mit einem Roholzrahmen, der aus Paletten gebaut wurde, grandios. Sommerkleider, Silberschmuck aller Arten: zart, exzentrisch, mit Glitzer und mit ohne. Aber wir schaffen es, kaufen nix. Nichts außer dem Lemon Meringue, einem Zitonenpie mit riiiiiesigem, fluffy Eischneetopping. Es ist einer der besten Lemon Meringue in East London und definitiv der Frischeste: Der Boden von dem süßen Schätzchen ist an diesem Samstag Vormittag noch warm! Dann durch den Hintereingang des Cafés im Outdoor Blumenladen landen und sich von des Töchterchens Begeisterung für kleine Kois anstecken lassen. Crazy Pflanzenkreationen und weltweit gültige Gärtnerlebensweisheiten entdecken. Durchatmen. Sich am Sonnenschein freuen, er wird nicht bleiben, der Rest des Tages bringt Gewitter, Sturm, Regen. Aber jetzt, jetzt ist es sommerlich warm. Und grün in allen Varianten.           …

Tag 41.2 von 42 – Plaudertaschentagebucheintrag. Und ein Plan.

  Die Ferien sind fast vorbei. „Und, was habt ihr so gemacht?“ „Nichts.“ Das ist natürlich Quatsch. Wir sind in den zehn Tagen Frühlingsferien nicht weggefahren, soweit stimmt es. Was aber habe ich gemacht, lass‘ mal überlegen, was mir da so einfällt.     Ich war, nach einer ewigen Winterpause, wieder zum Sporteln im Gym. Und ein Mal beim 5 km Parkrun. Dazu drei Mal beim Pilates und viel zu wenig mit dem Hund am Strand. Das wird der, ohne zu zögern, jederzeit bestätigen. Außerdem habe ich in einem Tagesworkshop gelernt, wie man mit Annie Sloan Farben malt. Und sofort angefangen alles anzumalen, was mir im Weg steht. I love it!     Ich hatte Besuch von meiner Freundin Nita, mehrfach. Ihr Herd war kaputt, sie hat sich stattdessen vegan in meiner Küche ausgetobt. Leider ist ihr Herd jetzt wieder heile.     Ha, ich habe es geschafft, ohne Grillanzünder und ohne den Göttergatten einen spontanen Grillabend zu zelebrieren. Ich wollte das nicht, ich war müde und ich grille nie. Ich lasse grillen. Und es …

Tag 41.1 von 42 – Expatstatus: Es bleibt kompliziert

Aber die Tatsache das wir familiäre Unterstützung haben macht es viel einfacher. Deshalb können wir es uns erlauben, die Zeit des should-we-stay-or-should-we-go-now noch ein ganz klein wenig zu strecken. Treffen heute noch keine Entscheidung, wo wir im Dezember leben. Einer der Gründe: Nach dem Platzen des ersten versprochenen Jobs für den Mann steht immer noch eine zweite Joboption im Raum. Schaun wir mal. Dann sehen wir schon. Der Mann und ich, wir bewerben uns währenddessen beide auf Stellen in Deutschland. Ich zurzeit nur in Bremen, er deutschlandweit. Gleichzeitig halten wir, ein wenig uninspiriert, Ausschau nach einer Gastfamilie, bei der der 16 jährige Sohn von Januar bis November 2018 sein Abiturjahr in East London am Merrifield College verbringen kann. So ganz gerne geben wir den Sohn gar nicht her. Aber er findet das unproblematisch, da will man ja nicht helikoptern. Überhaupt haben wir beschlossen, dass wir jetzt aufhören, uns so schrecklich viele Sorgen um alles zu machen. Der Mann und ich, wir haben uns die Freiheit gegeben, dass wir ab sofort jederzeit entscheiden dürfen nach Deutschland …

Tag 40 von 42 – Integrationskurs Südafrika, Teil 1: Verkehrsregeln

Heute gibt es ein wenig Anschauungsmaterial zum Thema Verkehrsverhalten in Südafrika: 1.) Ladungssicherung: Ladungssicherung muss, zum Schutze aller Verkehrsteilnehmer, sehr ernst genommen werden. Siehe Beispielfoto: Ein Mensch alleine könnte diese beiden losen Matratzen nicht halten. Das ist ein Job, der immer mindestens zu zweit und von erfahrenem Fachpersonal erledigt werden muss!     2.) Korrektes Verhalten an der Ampel Die Funktion der Ampeln ist hier eine andere als beispielsweise in Deutschland. Deshalb heißen sie hier auch nicht Ampeln, sondern Robots. Ihre Kernfunktion erklärt Trevor Noah ganz wunderbar: „They add atmosphere to the intersection.“ Sie sorgen mit ihren hübschen Lichtspielen für die angenehme Atmosphäre an der Kreuzung. Das weiß ich seit Trevor es den USA erklärt hat, hier.     3.) Wer bremst, verliert! Nicht jeder Verkehrsteilnehmer lässt regelmäßig seine Bremsen erneuern. Also, eher die wenigsten Verkehrsteilnehmer. Das Kleingeld fehlt, eine Pflicht zur Überprüfung des eigenen Autos gibt es nicht. Der Göttergatte hat das also mal ausprobiert: bei Dunkelorange an der Ampel gebremst. Netterweise war der Auffahrunfallmann versichert und wir hatten das Geld für die Reparatur …

Tag 38 von 42 – Hier und Jetzt und das ganze Dazwischen

  Der Lieblingsmann flitzt durch die Republik, die deutsche, und trifft wichtige Leute, er sucht seinen zukünftigen Job. Nicht irgendeinen Job, sondern einen Job der die Welt verbessert, vor allem in Sachen Klimaschutz. Im Job suchen ist er gut, zum Glück nicht nur im Suchen, sondern auch im Finden. Aber noch ist nix fix, noch ist alles offen. The future is sowas von unwritten, es ist kaum auszuhalten.     Ich gebe derweil hier in East London weiter die Mutter, Hausfrau und Kindertaxifahrerin. Die dringend wissen will, was denn nun als Nächstes kommt: wieder ein Umzug? Hierbleiben? Man weiß es nicht und man weiß nicht was man sich wünschen soll. Und ob man sich mit der Wünscherei nicht nur unglücklich macht. Man hat es einfach nicht wirklich in der Hand. We follow the job, mainly. Das hier sind die wahrscheinlichsten Optionen (Übrigens: Ihr müsst das nicht lesen, gell. Könnt einfach die Bilder anschauen. Ich muss nur mal meinen Kopf klarkriegen. Aufschreiben hilft dabei.): 1.) Zurück in unser schönes Haus in Bremen gehen, zu bekannten Wegen, …

Tag 28 und 29 von 42 – Rainy days

Regenwetter. Wenn man Kinder hat, die in Bremen aufgewachsen sind, dann fühlt sich das Regengeprassel, das den Sommer hier ankündigt, wirklich sehr nach Zuhause an. Das genießen wir heute und morgen wahrscheinlich auch. Wegen des vielen Regens fällt an diesem Wochenende einiges an Veranstaltungen aus. Der Coastal Cleanup Day am Nahoon Beach wird zum Beispiel am Sonntag, den 24. September 2017 nachgeholt. Ich habe dieses Wochenende dem so-faul-wie-möglich-sein gewidmet. Just take a break every now and then and listen to the rain. And: Sun or rain – Enjoy your weekend!

Tag 26 von 42 – Hier sein, ganz.

Es ist Herbst in Deutschland, es ist Frühling in Südafrika. Ich hoffe sehr, das nach meinem südafrikanischen Frühling kein deutscher Winter kommt. Aber es kommt, wie es kommt, ich kann es nicht erzwingen, ich habe es nicht in der Hand. Zen scheint mir eine gute Antwort auf diese Situation zu sein. Langsam machen, immer nur eins zurzeit. Angefangenes ganz erledigen, zu Ende bringen. Hier sein, nicht mit den Gedanken in einer wie auch immer gearteten Zukunft. Einfach ist das nicht, ich kriege oft Panik, habe das Gefühl mir rennt die Zeit weg, die ich hier noch brauche. Zeit mit meinen Freunden, Zeit um alleine zu sein, Zeit um zu reisen, Zeit um mehr von Südafrika kennenzulernen, zu verstehen, zu erleben, zu genießen. Dagegen hilft wohl nur: Hier sein, jetzt. Wenn ich mich in meinen Zukunftsgedanken verheddere, dann verliere ich das Jetzt. Und da wäre es wirklich sehr schade drum. Ich habe über Nr. 11 nachgedacht und festgestellt: Mehr Sport ist für mich wirklich necessary um den Kopf wieder freizukriegen, Schwimmen und wandern sind klasse. Mein Körper …

Tag 17 von 42 – Weil Drachen Glück bringen und junge Hunde auch

Ich weiß, ich muss mir wünschen das die fleißige Arbeitssuche meines Göttergatten in Deutschland so erfolgreich ist, wie sie gerade klingt. Wir haben uns eine Deadline gesetzt für die Entscheidung ob wir im Dezember nach Deutschland gehen oder weiter in Südafrika bleiben: Ende September, spätestens am Tag 42. Leider können wir uns nicht 100% sicher sein ob der Job hier in East London in drei Wochen wirklich in trockenen Tüchern ist. Das Eastern Cape hat die Geschwindigkeit nicht erfunden, es hat andere Stärken. Also muss ich nun einerseits hoffen das des Mannes Jobsuche in Deutschland weiter so positiv verläuft. Andererseits: Siehe unten. Das gibt’s in Berlin so nicht, oder habe ich da bei meinen Besuchen was übersehen? Wo geht’s denn da bitte zum Strand? Ach, bitte erzählt mir einfach mal wie schön es in Deutschland ist, nur für den Fall… Bis zu mir nach Südafrika dringt immer nur: Sommer ausgefallen, ich koch‘ jetzt Kürbissuppe, bin frustriert, aber Regen ist ja auch irgendwie gemütlich. Mach‘ mir mal einer klar dass das eine falsche Wahrnehmung meinerseits ist, …

Tag 13 von 42 – Aufwachen, es ist Frühling!

Ich habe ihn verpasst, ich habe meinen Spring Dip verpasst. Heute morgen, sieben Minuten von meinem Zuhause entfernt, haben sie alle alle im Indian Ocean gebadet. Mit Musik. Und ich war nicht dabei. Warum, wirst du sagen, natürlich warst du dabei, ich habe dich doch gesehen. Bei 1:35 min, das ist eindeutig die Kathrin mit ihren Schwimmflügelchen wie sie andere Verrückte photografiert, die den Frühling mit einem morgendlichen Sprung ins Meer begehen. Spring Dip eben. Leider bin ich nicht die Schwimmflügelchenlady und war es auch letztes und vorletztes Jahr nicht. Im ersten Jahr in East London wusste ich nix von dieser verrückten Frühlingsabegrüßungsaktion, im zweiten Jahr hatte ich wegen irgendwas fürchterlich Wichtigem keine Zeit und im dritten Jahr, also jetzt: Habe ich meinen Spring Dip einfach verpennt. Mir ist das gerade eben erst aufgefallen, ich habe das Event auf Facebook entdeckt, hinterher. Meine Laune hat das kurzzeitig von: Müde-und-ein-wenig-gestresst-aber-im-Grunde-sehr-zufrieden-mit-dem-Leben umgebeamt auf: alles-komplett-doof-und-wie-kann-ich-nur-so-eine-coole-Aktion-verpassen. Deshalb, liebes Leben, wirst du wohl einsehen, das du mir und meiner Familie mindestens noch ein weiteres Jahr East London schenken musst. Ich …

Tag 12 von 42 – Shweshwe statt Drogen

Dieser Donnerstag war Farbentag, ich habe überall schöne Farben gesehen: Die rosa und orangen Blüten an den Bäumen, die Blumenauswahl in den Läden explodiert gerade, ein paar besonders aufdringliche haben es heute sogar bis zu mir in mein Haus geschafft. Es wird Frühling in East London, aber sowas von. Angefangen hat mein Farbenrausch mit einer Schürze aus Shweshwestoff die mir May aus dem Lavender Blue genäht hat. Gestern Nachmittag habe ich ihr eine Whatsapp geschrieben und gefragt ob sie mir für einen Marktstand am Samstag kurzfristig eine Schürze nähen kann. Heute konnte ich die Schürze im Lavender Blue abholen, sie näht da vor Ort im Shop. Das mitgelieferte Käppi war gar nicht bestellt, ist aber im Preis von 200 Rand mit drin. Die Farben der Shweshwetoffe sind der Knaller, in Wirklichkeit sind sie noch viel schöner als man das auf den mit dem IPhone geknipsten Fotos sieht. Wenn ich die ansehe werde ich froh, die Farben und Formen haben eine halluzinogene Wirkung auf mich, und das alles bei schönstem Sonnenschein: Genau so soll das sein. Ansonsten …