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Tag 6 von 32 von #IAmGrateful: Hundeyoga

Fehlentscheidung

Manchmal mache ich Fehler, ziemlich oft sogar, wenn man bedenkt, wie alt und weise ich bin. Heute habe ich so eine Fehlentscheidung getroffen. Ja, ich hätte es besser wissen können. Zum Yoga gehen, in Nahoon am Strand, bei Kayleigh, am Samstag früh um 8, quasi ohne Vorkenntnisse: Super Idee! Den Hund mitnehmen: Nicht so.

I blame the dog

Angefangen hat alles damit, dass ich am Freitag erst mal eine wirklich gute Entscheidung getroffen habe: Am Samstag Morgen mal wieder zum Parkrun zu gehen. Nur um am Samstag morgen dann zu entscheiden: Nee, doch nicht. Wegen dem Scooperhund, der zwischen der Haustür und mir hin und her rennt, dabei nach glücklichem Hundebaby aussieht, und ruft: „Hell yeah, ich wusste es, du gehst endlich mit mir an den Strand!“

Er macht sowas noch vor meinem ersten Kaffee. Und während ich mich noch wundere, was eigentlich los ist, sehe ich mich schon Strandtücher einpacken anstatt der Laufschuhe.

I blame my husband

Das ist alles die Schuld des Göttergatten. Falls ihn jemand sieht, da drüben in Europa, richtet ihm bitte aus: Er möge sofort zurückkommen. Und mir wieder Samstag morgens Kaffee an mein Bett bringen, nachdem er um 6 Uhr mit dem Hund laufen war.

Das Konzept ist erprobt und funktioniert um Längen besser für mich als das Aktuelle.

Hundeyoga

Stattdessen muss ich früh am Morgen koffeinfrei mit dem Hund verhandeln. Das Ergebnis: Ich darf von 8:00 bis 9:15 Yoga am Strand machen. Er darf mit, wenn er dabei ruhig und entspannt zuschaut.

Wenn ich im Meer schwimme, dann funktioniert das Konzept super. Da legt er sich neben meine Tasche und passt auf, rennt ein wenig rum, legt sich wieder neben die Tasche. Bellt mal, wenn er findet, dass ich Gefahr laufe zu ertrinken. Beschließt dann, dass er mich ja leider doch nicht retten kann, und legt sich wieder brav neben die Tasche. Warum also nicht: Yoga?

Yohahund

Weil das so ist: Wenn ich Yoga mache, dann will Scooper auch Yoga machen. Und wenn da schon Dog Stretch gemacht wird, dann will er sich auch wie ein Hund verhalten.

Hallo sagen und an hochgereckten Hintern riechen, immer freundlich, Nase voran.

Ja nee, ich weiß, das braucht echt kein Mensch. Zusammenfassend würde ich sagen: Ich habe heute Morgen trainiert: den Hund. Sein task war es entspannt neben mir zu sitzen und leise zu sein. So wie der kleine, andere Hund, der heute auch mit beim Yoga war. So ein Yogahund, der alles richtig gemacht hat. Annoying. Der bleibt neben seinem Yogaherrchen sitzen, ohne zu fiepen und zu drängeln, ohne freudig zwischen Menschen herumzuwedeln, die einbeinig auf fluffigem Sand stehen. Die Situation war echt nur so mittelentspannt für mich, aber wenigstens yogatauglich für die Anderen. Nein, nicht meine beste Yogastunde, aber schön war es trotzdem, ist es fast immer, wenn Sonne, Sand, Meer und Bewegung zusammenkommen.

Dankbar für eine neue Morgenroutine

Außerdem habe ich eine Idee mitgenommen vom Strand, von der lieben Kayleigh, der Yogaanleiterin. Ich will mir schon länger eine andere Morgenroutine zulegen als die, nach meinem Handy zu greifen und Facebook zu checken.

Kayleigh hat mir folgende zwei Übungen vorgeschlagen:

1.) Hinknien und den Oberkörper auf die Beine legen, wie ein Baby. Entspannen.

2.) Den Hintern in Richtung Himmel strecken, die Hände und Füße ruhen auf dem Boden, die Arme und Beine sind durchgestreckt. Yepp: Dog Stretch it is 😉 Lächeln!

Das versuche ich jetzt mal jeden Morgen im November und schaue, ob ich irgendwann einen dermaßen relaxten Rücken habe, dass ich doch noch mal surfen lernen kann. Träumen ist ja erlaubt, gell! Und mit und ohne Yoga, mit und ohne Hund: Enjoy your weekend!

(Sorry, hier passiert gerade interessantes Zeug: Mal sind Änderungen im Text gespeichert, mal hängt sich der Artikel auf, das Internet ist heute nicht mein Freund, es schwächelt. Nicht so schön, aber auch kein Drama. Dass das mit dem Perfektionismus kein Plan ist, wollte ich ja auch gerade lernen, here we go 🙂 Today is a very good day to make some more mistakes and smile them away!)

 

Tag 5 von 32 von #IAmGrateful: Dankbar, dass ihr Nurdles sammelt!

Was ist das mit den Nurdles?

OK, ich versuche das eben mal schnell, nach bestem Wissen und Gewissen, zu erklären: Nurdles sind das Rohmaterial, aus dem Plastikprodukte hergestellt werden. Am 10. Oktober 2017, während eines Sturmes bei KwaZulu-Natal, Südafrika, ist ein Container mit diesen Plastikpellets von einem Schiff gefallen – mit verheerenden Folgen für das Sealife. Hier beschreibe ich, was du tun kannst, um diese ökologische Katastrophe einzudämmen.

Wie sehen Nurdles aus?

Sie sind weiß, kreisrund, wie eine platt gedrückte Kugel. Die meisten findet man an der jeweiligen Hochwasserlinie, zwischen dem anderen angeschwemmten Material sieht man sie manchmal kaum oder verwechselt sie auf den ersten Blick vielleicht mit Muschelteilen.

Nurdles töten Sealife

Die Nurdles am Strand liegen zu lassen, hat fatale Folgen: Die giftigen Teilchen werden von Seetieren für Futter gehalten, führen zu Verstopfungen und, weil sie unverdaulich sind, zum Hungertod der Tiere. Sie essen nicht mehr, der Magen ist ja voll, es ist einfach verheerend.

It all comes back to you

Auch nicht witzig, aber der ewig bekannte Kreislauf: Nurdle sammelt Toxine an, Fisch isst Nurdle, Mensch isst Fisch, Toxin landet im Menschen. Das wollen wir nicht. Deshalb: Kommt sammeln, bitte! Man kann die Nurdles problemlos mit den bloßen Händen anfassen. In den Hausmüll dürfen sie aber nicht gelangen, sie müssen zu speziellen Abgabestellen gebracht und dann fachgerecht entsorgt werden.

Nurdlesammler überall

Ich bin dankbar für jeden Menschen, der mithilft, Nurdles zu sammeln. Und wie unser East London Dörfchen eben so ist, begegnen mir auch jeden Tag Helfer: gestern am Strand, heute beim Expattreffen, morgen: Sehen wir uns vielleicht wieder. Es ist klasse wie viele Leute hier mitarbeiten, um die Mistdinger vom Strand zu holen, aber es braucht definitiv noch mehr Hände.

Die wichtigsten Fakten für Sammelwillige

Die Nurdles sind die Küste von KwaZulu-Natal hinunter geschwommen und liegen nun seit ein paar Tagen auch an East Londons Stränden, zum Beispiel in Bonza Bay, Nahoon oder weiter unten in Glen Eden. Wenn man erst mal weiß, wie sie aussehen, dann sieht man sie auch.

Man kann sie problemlos per Hand einsammeln, sie tun einem erst mal nichts. Man sollte aber auf jeden Fall einen Behälter, eine Tasche oder ein Glas am Strand mit dabei haben.

Effektiver als das Sammeln per Hand sind die Methoden, die man in diesem Video auf Facebook sieht. 

Was tun mit den Nurdels?

Drop Off Points in East London Aquarium an der Esplanade in Quigney. Einfach vorbeikommen, die Leute dort wissen Bescheid.

(Merrifield ist nur Abgabestelle für die  Schüler der Merrifield.)

Die Facebook-Gruppe East London Beach Cleanup freut sich über Fotos von eurer Aktion mit der Angabe des Ortes, um eine genauere Einschätzung vom Stand der Dinge zu bekommen.

Get some friends together and go #nurdlehurdle 

Jede helfende Hand, jeder Mensch, der seinen Strandspaziergang gegen eine Runde Nurdel hurdeln tauscht, hilft! Und ja, es gibt schönere Anlässe an East Londons Strände zu gehen, aber wenn du schon mal da bist: Enjoy 😉

 

Tag 4 von 32 von #IAmGrateful: Dankbar am Donnerstag

Denn: Ich habe die Nacht überlebt, trotz knackigster Hitzewelle. Frag nicht wie, aber: Überlebt! Und: Ich kann mir offensichtlich Menschen herwünschen, coole Nummer! Heute Morgen bin ich nach dem Pilates müde in den Spar in Beacon Bay gegangen und habe gedacht: ob ich eben meine Freundin anrufe und endlich mal wieder bei Handmade Coffee einen Kaffee mit ihr trinke? Ich habe sie nicht angerufen. Stattdessen meinen Fruchtsalat gekauft, und gesehen, das die Gute schon mit Coffeeman Chris am Tresen schnackt. Als würden die auf mich warten. Das war der Knaller, wie im Film, ich hab mich total gefreut! Dickes Danke an das Universum, den Zufall oder wen auch immer. Und: Weiter so, bitte!

Alle auf dem Weg: John Davies, links, von East London zurück in sein Smokey Moon Backpacker nach Grahamstown. Chris zieht bald von Südafrika nach Österreich, um ein NOCH besserer Barista zu werden. Und Freundin Nita will be in Cape Town soon. Ohne mich, leider, Cape Town geht echt immer. Aber jetzt ist erst mal Bremen, Germany, calling my name.

Außerdem habe ich heute auch ein Telefonat geführt, das total erfrischend war. Mit einer Frau, die ich noch gar nicht sooo gut kenne. Die aber trotzdem mir, meiner Familie und unserem Hund bald ihr wunderschönes Haus für eine Weile zur Verfügung stellt.

Guess what: I am dankbar!

Das wär’s heute so ganz im Groben. Obwohl ich noch nix vom unproblematischsten Autoverkauf aller Zeiten, leckerem Fisch mit leckerem Weißwein und leckeren Zitronen erzählt habe, die vom Nachbarsbaum in unseren Garten hinüberwachsen und dringend Teil des Abendessens werden wollten. Bitteschön, nichts leichter als das. Das Töchti hat mir eine vom Baum geangelt, auch damit wir schneller fertig werden und endlich erfahren, ob Barry Allan alias The Flash nun tot ist oder nicht. Ich bin wirklich dankbar dafür, dass ich endlich die Antwort weiß! Und auch sehr dankbar für Hinweise zu meiner weiteren Lebensgestaltung, ich weiß nicht wie ich weiterleben soll. Ich habe nämlich gerade herausgefunden, das in 2×40 Minuten Season 2 von The Flash vorbei und Season 3 nicht auf Netflix ist. Problem.

Ah, noch ein Nachtrag: Der Sohn hat gerade, während ich genetflixt und gebloggt habe, quasi unaufgefordert die Küche klar gemacht. Wie klasse ist das denn?!! Da will man mal nicht meckern, sondern: Dankbar sein am Donnerstag. Enjoy! Coffee, life and all!

Tag 3 von 32 von #IAmGrateful: Novemberwetter in East London

November, blau statt grau!

Meine optimale Betriebstemperatur liegt irgendwo zwischen über 25 und unter 30 Grad, da ist so ein heißer Novembertag wie heute ein Geschenk. Ich habe keinen Pool und statt einer Klimaanlage nur weit geöffnete Fenster und Türen. Deshalb übe ich mich im Verlangsamen und wässere mich stets und ständig von innen, dann wird das alles fein.

Dankbar für das Novemberwetter?!

Offensichtlich ja, jedenfalls in East London an der Ostküste Südafrikas 😉 Ich glaube, ich tacker mir die Dankbarkeitschallenge schon mal für den November 2018 in den Kalender, da bin ich dann ja wahrscheinlich in Bremen. Das wird dann bestimmt ein interessanter Vergleich zwischen Deutschland und Südafrika. Hier kommt jetzt erst mal die South Africa Variante, das ist mein 1. November 2017:

Es ist heiß, das ist schön: Heute Morgen war ich bei beim Aquatraining im Body Culture in Beacon Bay, meinem absoluten Lieblings-Gym. Später am Tag gibt es eine reelle Chance, dass ich mich mit der Lieblingstochter und den Bodyboards in die Wellen in Bonza Bay oder am Nahoon Beach stürze. Das dürfte ruhig mein Alltagspogramm im November sein und noch vieeele Jahre so weitergehen.

Aber weil eh‘ keiner weiß, was morgen kommt, genieße ich jetzt erst mal diesen Tag: Heute bin ich dankbar für die Sonne, den Pool im Gym, den ich jederzeit nutzen kann – auch mit den Kids, die kommen auf meiner Mitgliedschaft nämlich umsonst mit rein. Einfach spontan nach der Schule eine halbe Stunde schwimmen gehen. Sehr geil, südafrikanisch unkompliziert. Und auch der Aquatrainerin Gail bin ich dankbar: Das Training mit ihr macht mir Spaß.

Heute fiel mir auf, dass sie uns jedes Mal nach dem Aqua daran erinnert, dass heute ein ganz besonders schöner Tag ist. Ich glaube, das hat die echt noch nie vergessen in den letzten zwei Jahren. Ich mag dieses Aussprechen, Benennen, sich selbst und Anderen das Schöne im Leben bewusst zu machen. Das ist sowas von Südafrika, das Verhalten packe ich mir im Dezember in mein Reisegepäck nach Deutschland.

Und  hier und heute, da freue ich mich auch noch über diese blauen Vorhänge und die laue Luft, die sie den ganzen Tag filmreif in Bewegung hält. Scooper hilft auch ein wenig dabei, der weiß grad’auch nicht ob er lieber drinnen oder draußen schwitzen soll 🙂 So isses!

Ich wünsche euch einen richtig schönen Tag, egal ob blau, ob grau, weil: Irgendwas Schönes ist immer! Enjoy! Be grateful!

#IAmGrateful, Tag 1 und Tag 2 von 32

Man könnte ja auch drei Mal am Tag posten, wofür man dankbar ist, da kommt mir so dermaßen viel in den Sinn, das ist die reine Freude. Aber manchmal muss man ja auch noch was anderes tun als mit Social Media zu spielen, also bleibe ich bei meinem Plan:

Ein Mal täglich auf Facebook oder hier im Blog zu posten, wofür ich heute dankbar bin.

Die Posts der letzten 24 Stunden hat Instagram nun irgendwie verschluckt, auf jeden Fall nicht pflichtgemäß an meine Just Sea With Me Facebookseite weitergeleitet. Vielleicht ist es der App ja zu heiß, Höchsttemperaturen von 29 Grad,  da wird einem ja ganz schwummrig und man vergisst vielleicht die eine oder andere Pflicht, das könnte ich schon nachvollziehen. Egal, hier sind die Posts im Blog und man sie jetzt auch direkt auf Instagram finden. Enjoy!

 

 

Fliehkraft reverse, oder: Ich blogge mich nach Hause

Eine ungeschriebene Geschichte

Der Tag 42 ist vorbei und ich schaue ratlos auf die weiße Fläche, die mein Blogbeitrag werden soll. Einen Expat- und Reiseblog über Südafrika wollte ich schreiben. Stattdessen feiern wir bald Abschied von der Schule, von Freunden, von East London und von Südafrika. Buchen Flüge und packen Mitte Dezember den Schiffscontainer. Der schippert Couch, Bett, Kuscheltiere und voraussichtlich mal wieder viel zu viel unnützes Gedöns zurück über das Meer. Fährt in sechs Wochen von East London, Südafrika nach Bremen, Deutschland. Der Container hat eine gute Reisegeschwindigkeit, man müsste eigentlich selber das Schiff nehmen, nicht das Flugzeug: Das würde der Seele genug Zeit geben, um hinterher zu reisen.

Tja, und was schreibe ich jetzt? Statt eines Expat-in-Südafrika-Reiseblogs könnte ich die nächsten Wochen einen Einpack-und-zurück-nach-Bremen-fahr-Blog schreiben. Das ist zwar ein guter Plan für unser Leben, aber noch kein wirklich Guter für einen Blog. Oder vielleicht doch? Ich weiß es im Moment nicht und habe den Kopf nicht dafür frei. In dem stapeln sich Fragen: Habe ich den Hund anständig vermessen, sodass er in seine Flugbox passt? Was fehlt noch an Reisepapieren? Sollen wir unseren 16 Jährigen wirklich schon vorfliegen lassen, wenn hier im Dezember die Schule vorbei ist? Der will zu Familie und Freunden, hat keinen Bock mehr auf noch-mal-Löwen-gucken-gehen. Dann so schnödes, doofes Alltagszeug: Wie verkaufe ich die Autos am Besten? Wann schaffe ich es endlich, die Garage auszumisten? Und ganz vor allem: Warum kommt keiner und macht das alles für mich?

Darunter summt die Frage: Wie werden wir in Bremen leben, wie wird es sein nach 2,5 Jahren Südafrika? Der Blick in die Zukunft klappt nicht, wie auch, es gibt sie ja noch nicht. Es gibt nur das Hier und Heute, der Rest ist eine noch ungeschriebene Geschichte.

Aber ja, man versucht sich natürlich trotzdem ein Bild davon zu machen. So eins zum Beispiel, wer weiß, maybe Familie W aus B changed into East Londoner Stadtmusikanten?!

Zwischenweltler: Die East Londoner Stadtmusikanten.

Bloggen heißt zu Hause sein

Ich blogge hier ja erst seit ein paar Monaten, lange genug um zu merken, dass ich es liebe. Mein Kopf ist manchmal ein wenig überaktiv, eigentlich immer. Ich habe permanent irgendwelche Ideen, die ich aufschreiben und teilen möchte: Tolle und Grottige, Klare und Wirre, Begeisternde und solche, die auf den zweiten Blick eher lame, nichtssagend sind.

Das Bloggen hilft mir beim Sortieren meiner Ideen, und auch dabei, verankert zu sein: Einen Bezugspunkt zu haben, in dem schnellen Wandel, der mein Leben ist. Und er hilft mir genauer hin zu fühlen und zu überprüfen, welcher nächste Schritt der Richtige ist. Der Blog gibt mir einen Ort, ein Zuhause, an dem ich nachdenke kann. Er ist so eine Art virtuelle Couch, auf der ich mich rumlümmeln, in Ruhe meine eigenen Gedanken anhören kann. Und auch Deine, ich muss nämlich mal sagen: Über die Kommentare, die ich hier bekomme, freue ich mich total: das fühlt sich nach Verbundenheit an, das tut echt gut!

Bremen, Freimarkt.

Was da alles gut gehen kann!

Mir macht es gerade Angst loszulassen, hier weg zu gehen: neue Schulen, neue Jobs, was da alles schief gehen kann! Andererseits ist das genau das Ding mit der Veränderung: Man weiß einfach nicht was als Nächstes kommt. Und weil man es nicht weiß, darf man ja auch mal denken: was da alles gut gehen kann!

Ich erinnere mich, wie Leute vor unserem Aufbruch nach Südafrika zu mir gesagt haben: „Ich könnte das nie, nach Südafrika gehen. Ich hätte viel zu viel Angst davor!“ Meine Antwort war damals, dass ich auch fürchterliche Angst davor habe. Irgendwie hat mir das keiner so recht geglaubt, aber ich hätte die Aktion am liebsten noch kurz vor der Ausreise wieder abgebrochen. Glücklicherweise gab es Menschen, die mir Mut gemacht haben: Ohne das Skypetelefonat mit der Deutschlehrerin an der East Londoner Schule hätte ich vielleicht doch noch gekniffen. Danke, Frau Heuthaler! Mein Fazit jetzt, nach 2,5 Jahren Südafrika: Ein Großteil meiner Sorgen war komplett unbegründet und der Rest der Schwierigkeiten war zu wuppen, gemeinsam, als Familie. Und: Vieles ist so unglaublich viel besser gelaufen, als wir uns das vorher hätten träumen lassen.

Neue Liebe – Alte Liebe

Trotz dieser Erfahrung machen mich große Veränderung immer noch uncomfortable. Die Angst bleibt wohl der Preis für die Freiheit, sich wieder auf eine Reise zu machen. Das merke ich nämlich auch gerade erst: dass das Zurückgehen nach Bremen auch ein wenig eine Reise ins Ungewisse ist. Man geht nicht einfach ’nach Hause‘ und  zurück in sein altes Leben. Auch in Bremen haben sich Dinge und Menschen verändert. Ich habe mich verändert, wir als Familie haben uns verändert: Wir sind stärker zusammengewachsen, wir sprechen alle fließend Englisch. Beide Teenies gehen richtig gerne zur Schule und haben dort in einer Weise gelernt zu lernen, dass es die reine Freude ist. hach, man möchte das alles mitnehmen: Den südafrikanischen Humor, die Leichtigkeit miteinander ins Gespräch zu kommen und die Fähigkeit, auch mal fünfe gerade sein zu lassen. Die guten Erfahrungen mit Südafrikanern aller Couleur wären einen eigenen Blogbeitrag wert, da krieg‘ ich gleich wieder Pipi inne Augen, wenn ich darüber nachdenke.

Jetzt wird aber erst mal nach vorne geschaut: Ich freue mich nämlich auch wie wild darauf, mein Bremen wieder neu zu entdecken. Manchmal ist ein wenig Abstand ja das Beste, was einer Alten Liebe passieren kann 😉

Fliehkraft. Lässt sich am besten genießen, wenn man weiß, wo man fest verankert ist 🙂

Alles wird ist gut!

Ich glaube, ich habe neben dem Bloggen noch einen anderen Trick entdeckt, der mir helfen kann, nicht im Sorgenkarussell zu drehen. Der mir hilft zu sehen, dass im Grunde alles in Ordnung ist und die Sorgerei nur eine unnütze Angewohnheit. Weil, wenn man ein Dach über dem Kopf hat, genug zu essen für alle Familienmitglieder, wenn man selber, die Kinder und der Göttergatte gesund sind und man die Sicherheit hat, dass man sich nicht nur den Zahnarzt, sondern auch die Notversorgung in einem guten Krankenhaus leisten kann. Dann ist mehr als alles gut. Weltweit gesehen ist diese Situation leider der pure Luxus und für einen Großteil der Menschen nicht gegeben. Wenn ich also alles habe, was ich brauche und noch mehr, was hält mich dann davon ab, für den Moment erst mal entspannt und zufrieden zu sein?

Der dankbare November

Darüber habe ich mir die Tage Gedanken gemacht, danke lieber Blog, das war wegen Dir. Und ich habe eine Antwort gefunden: Ich werde mir jeden Tag überlegen, wofür ich dankbar bin, und das dann aufschreiben. Das mache ich mal ab sofort und den ganzen November lang, jeden Tag auf meiner Just Sea With Me Facebookseite. Und manchmal hier auf dem Blog.

Und dann schau‘ ich mal, was passiert. Ich glaube nämlich, das ist eine richtig tolle Geheimwaffe gegen ein Übermaß an unproduktiver Sorge.

Ich freue mich natürlich immer über Kommentare, insbesondere zu der Frage: Wofür bist DU dankbar? Das würde ich sehr, sehr  gerne wissen! Bis dann: Enjoy!

PS: Ich bin definitiv dafür dankbar, dass ich den November in Südafrika verbringen kann! Weil: Deutschland: Herbststürme. Südafrika: Frühling, besser: gefühlter Sommer! Yesssssss!

Sitzen mit Blick auf das Wasser ist überall toll, zum Beispiel an der Weser in Gröpelingen beim Warten auf die Fähre. I love it, hallo Vogelinsel!!

Tag 42 von 42 – Die Antwort ist die Antwort ist die Antwort.

 

Seit wenigen Tagen ist er da, der Tag 42, und so langsam habe ich jetzt auch kapiert was los ist: Ende 2017 gehen wir vier nach Bremen, der Scooperhund kommt mit. Er sagt zwar, ohne Strand schmecke ihm auch der beste Smoothie nicht. Aber nu‘, wer kann sich schon immer nach dem Hund richten.

 

 

Seit Monaten warten wir nun darauf, dass der Job, der dem Göttergatten in East London versprochen wurde, endlich real wird. Ich erinnere mich, wie ich im September im Discounter von dem potenziellen zukünftigen Arbeitgeber meines Mannes von der Nachricht überrascht wurde, mein Mann könne nun mittlerweile zwischen zwei attraktiven Stellen wählen, an denen er dringend gebraucht würde. Ich wäre schon damals, zwischen butternut, potatoe und Ananas, fast in Tränen ausgebrochen. Zu oft schon schien der jeweilige Job zum Greifen nahe, nur noch diese eine Sitzung, nur noch diese eine Unterschrift, gleich, bald, nächste Woche, ganz bestimmt, dass klappt, das Projekt wird auf jeden Fall etwas. Es wurde nichts.

 

Dran glauben, meistens klappt es dann. Und wenn es nicht klappt: Mach neu.

 

Es fühlte sich monatelang so real an, so nahezu greifbar: Dass wir noch ein weiteres Jahr in East London bleiben können. Dass es richtig war, nicht direkt nach Bremen zu fliegen, besser: zu fliehen, als die versprochene Vertragsverlängerung durch den ersten East Londoner Arbeitgeber ganz kurzfristig nicht zustande kam. Dass sich der anstrengende Umzug in das kleinere Haus gelohnt hat, weil da ja die Hoffnung auf den anderen  Job war. Den man auch deshalb unbedingt wollte, damit der Sohn hier in einem Jahr sein Abitur in der Tasche hat. Es an einer Schule machen kann, an der er das Lernen liebt, an der die Tochter sich absolut wohlfühlt mit ihren Freundinnen.

 

 

Einer Schule, der ich jeden Tag dafür dankbar bin, dass sie meinen Kindern den Spaß am Lernen erhält und sie darin bestmöglichst unterstützt. Natürlich möchte man da bleiben, wir wollten es. Man kennt das  doch: never change a winning team. Und es ist so was von winning hier: Die Kinder gehen quasi an jedem Tag gerne zur Schule, haben Spaß, finden Lehrer und Lerninhalte größtenteils sehr gut und spannend. Wo gibt’s denn so was? Das gibt es, unter Anderem hier in East London, an der Merrifield Preparatory School and College. Diese Schule zu verlassen schmerzt so sehr, wie der Abschied von Meer und Strand und Sonne und von Menschen, die (ich habe das mehrfach erfolgreich erprobt) immer zu spontanen Tankstellentänzen aufgelegt sind. Aber es hilft ja nix: Es ist Ende Oktober und wir stehen immer noch ohne Vertrag da. Unsere Situation ist weder emotional noch finanziell weiter tragbar, da hilft auch alles Tanzen nix.

 

 

Das Leben in East London ist für uns deutlich teurer, als in Bremen zu leben: 800 € für unsere geliebte Privatschule im Monat. Man braucht zwei fitte Autos, in Bremen reichen uns vier Fahrräder, die Straßenbahn und unsere Bahncards. Wir haben in Südafrika trotz jahrelangem Kampf das Kindergeld nicht bewilligt bekommen und haben jetzt seit Juli kein Einkommen mehr. Wohnungen und Häuser, in denen man geschützt leben kann (und da rede ich noch nicht von den richtig schicken mit Pool und Meerblick), kosten hier nur minimal weniger als in Deutschland. Lebensmittelpreise sind ungefähr auf deutschem Niveau, manches ist teurer, manches etwas billiger, das kommt schnell aufs Gleiche raus. Zumindest wenn man lecker Käse auf dem Brot, sehr viel Frischgemüse und öfters mal Vollkornbrot essen will. Mal ein Weinchen oder ein Bier trinken will. Nicht das Hipsterbier aus Nahoon, bitte. Das schmeckt wie es heißt, nach süßlichen Hipstertränen, das geht gar nicht.

 

 

Finanziell ist das Leben in East London für uns nicht länger zu wuppen. Wir haben großzügige familiäre Unterstützung bekommen und einen Teil unserer Ersparnisse verbrannt, weil wir das Ziel hatten, am Ende mit einem gut bezahlten Job für den Göttergatten dazustehen. Einem, der es uns erlaubt, wenigstens noch das Jahr bis zum Abitur unseres Sohnes hier zu bleiben. Das klang immer wieder sehr realistisch und zum Greifen nahe. Wir haben alles dafür getan: Sind umgezogen, haben uns auf eigene Kosten um die Visumsbewilligung gekümmert. We are ready, but there is still no job. Und nun ist time-out, finito, Schluss mit dem Warten.

 

 

Dennoch: Die Entscheidung zum hiesigen Schuljahresende zu bleiben war die Richtige für uns: Nach dem Ausbleiben der Vertragsverlängerung sind finanzielle Zusagen von dem ehemaligen Arbeitgeber meines Mannes nicht eingehalten worden. Das hieß, wir mussten uns vor ein paar Monaten überlegen, ob wir unsere Kinder von heute auf Morgen aus ihrer geliebten Schule und aus ihrem südafrikanischen sozialen Umfeld reißen und sie ratzfatz zurück nach Deutschland verpflanzen. Wohin auch immer, unser Haus in Bremen war an eine Wohngemeinschaft vermietet, da wären wir so schnell nicht reingekommen. Außerdem haben wir Südafrika, trotz aller Widrigkeiten, lieben gelernt, es ist ein Zuhause geworden. Nicht einfach wegzurennen als es eng wurde, war zwar teuer und anstrengend, aber unser Resumee als Familie ist: Es hat sich definitiv gelohnt.

 

 

Die Joboptionen in East London sind nun zwar endgültig geplatzt, aber wir gehen mit einer gewissen Ruhe, einem Plan in der Tasche und zum hiesigen Schuljahresende. Wir können jetzt nicht bleiben, haben aber wenigstens noch in Ruhe Zeit uns zu verabschieden, Spaß am Meer und mit Freunden zu haben bevor wir Ende dieses Jahres Auf Wiedersehen zu East London sagen. Ich würde immer wieder hierher kommen. Und, zumindest als Besucherin, werde ich das auch. Alles Andere wird sich dann schon finden. Bis bald auf diesem Kanal! Enjoy!

 

41.3 von 42 – Was ich vermissen werde. Würde. Werde.

Am Samstag Morgen spontan mit der Teenietochter im East Londoner Toast Deli haltmachen. Mit dem Lemon Meringue Pie liebäugeln, der im Café unter so einer hübsch altmodischen Tortenabdeckung aus Glas thront. Erst mal durch die angrenzende Boutique schlendern: Nur gucken, nix kaufen. Das ist schwer, da ist dieser Wandspiegel mit einem Roholzrahmen, der aus Paletten gebaut wurde, grandios. Sommerkleider, Silberschmuck aller Arten: zart, exzentrisch, mit Glitzer und mit ohne. Aber wir schaffen es, kaufen nix.

Nichts außer dem Lemon Meringue, einem Zitonenpie mit riiiiiesigem, fluffy Eischneetopping. Es ist einer der besten Lemon Meringue in East London und definitiv der Frischeste: Der Boden von dem süßen Schätzchen ist an diesem Samstag Vormittag noch warm!


Dann durch den Hintereingang des Cafés im Outdoor Blumenladen landen und sich von des Töchterchens Begeisterung für kleine Kois anstecken lassen. Crazy Pflanzenkreationen und weltweit gültige Gärtnerlebensweisheiten entdecken. Durchatmen. Sich am Sonnenschein freuen, er wird nicht bleiben, der Rest des Tages bringt Gewitter, Sturm, Regen. Aber jetzt, jetzt ist es sommerlich warm. Und grün in allen Varianten.

 

 

 

 

 

Mit einem Schritt im angrenzenden Bioladen Lime Fusion landen und eben noch lecker Vollkornbrot kaufen. Durch den kräftigen, aber warmen Sommerwind zum Auto schlendern. Grateful sein. Wie heißt das noch auf deutsch, das muss ich jetzt echt eben nachschauen: Dankbar sein, so heißt das. Gute Sache das!

Hier kommen alle Photos, die ich machen durfte, ohne das Töchti zu sehr mit meiner Photomanie zu nerven. Essen photografieren mag sie gar nicht. Den Kuchen müsst ihr euch also selber googeln oder hier nachschauen wie man den macht, bitteschön. Alternativ: Einfach mal im Toast Deli vorbeischauen. In jedem Fall: Enjoy your weekend!

 

Tag 41.2 von 42 – Plaudertaschentagebucheintrag. Und ein Plan.

 

Die Ferien sind fast vorbei. „Und, was habt ihr so gemacht?“ „Nichts.“ Das ist natürlich Quatsch. Wir sind in den zehn Tagen Frühlingsferien nicht weggefahren, soweit stimmt es. Was aber habe ich gemacht, lass‘ mal überlegen, was mir da so einfällt.

 

 

Ich war, nach einer ewigen Winterpause, wieder zum Sporteln im Gym. Und ein Mal beim 5 km Parkrun. Dazu drei Mal beim Pilates und viel zu wenig mit dem Hund am Strand. Das wird der, ohne zu zögern, jederzeit bestätigen.

Außerdem habe ich in einem Tagesworkshop gelernt, wie man mit Annie Sloan Farben malt. Und sofort angefangen alles anzumalen, was mir im Weg steht. I love it!

 

 

Ich hatte Besuch von meiner Freundin Nita, mehrfach. Ihr Herd war kaputt, sie hat sich stattdessen vegan in meiner Küche ausgetobt. Leider ist ihr Herd jetzt wieder heile.

 

 

Ha, ich habe es geschafft, ohne Grillanzünder und ohne den Göttergatten einen spontanen Grillabend zu zelebrieren. Ich wollte das nicht, ich war müde und ich grille nie. Ich lasse grillen. Und es sind immer Männer, die grillen. Bis jetzt, bis zu diesem einzigen, richtig warmen Sommerabend, den die Ferien hergegeben haben. Als meine Tochter mir Mut gemacht hat und gesagt hat: Wir machen das jetzt! Dank ihr haben wir den Grill angekriegt, unsere ultraspontane Freundin Sizwe angerufen und alle gemeinsam einen leckeren lauen Grillabend genossen. Uli, schau, wir können das jetzt auch!

 

 

Meistens aber habe ich in diesen Ferien fleißig dem East Londoner Regengeprassel zugehört. Frühlingsferien, das hieß dieses Mal Regen, Regen, Regen. Der Gedanke, dass das Wetter so eine Art Trainingscamp für zukünftig in Bremen lebende Menschen ist, lag irgendwie nahe. Allerdings wissen wir ja noch gar nicht, ob wir das so schnell wirklich brauchen, das Brementraining. Was wir sicher wissen: East London hat den Regen dringendst gebraucht. Auch tröstlich.

 

 

Wenn es mal nicht geregnet hat, dann bin ich mit dem Töchterchen und den Bodyboards an den Strand gefahren. Wir haben richtig viel Spaß in den kalten Wellen gehabt. Und ich danach ein kleines bisschen Bauchmuskelkater. Was bedeuten muss: Da ist nicht nur Bauch, da sind auch Muskeln, right? Ich werde das noch herausfinden, der Sommer fängt hier schließlich gerade erst an.

 

 

Der Sohn war froh, dass er diese Südafrikaferien zum ersten Mal nicht reisen musste. Ich glaube, wir waren alle froh. Keine Elefanten, keine Giraffen, keine Abenteuer. Stattdessen: Ein wenig Strand. Ganz viel Couch-Potatoe. 22 Episoden The Flash auf Netflix gucken. Blöde Auswanderersoaps schauen. Faul sein. Nichts schaffen wollen. Luft holen, atmen.

Die nächste Runde Schule wird anstrengend. In Term 4, das von Oktober bis Dezember geht, werden Jahresendexamen geschrieben. Und außerdem wissen wir immer noch nicht, wo wir danach leben werden. Das ist auch anstrengend, sehr, für alle. Wir verschieben unsere Entscheidung aus Südafrika wegzugehen, weil uns hier noch immer erzählt wird, dass ein Job für den Mann in East London in greifbarer Nähe ist. Fakt ist: Zur Zeit leben wir hier, auch ohne Urlaub, deutlich über unsere Verhältnisse. Privatschule, zwei Autos, kein Kindergeld, das geht so richtig ans Eingemachte. Wie in den blöden Auswanderersoaps. Und bevor mal wieder jemand fragt: Ja, ich kenne Good Bye Deutschland mittlerweile. Nein, ich werde VOX nicht anrufen. Nein, die brauchen auch nicht bei mir anzurufen. Und nein, wir werden nicht in Südafrika bleiben, bis wir uns die Heimreise nicht mehr leisten können. Oder nur noch trocken Brot zu essen kriegen. We made a plan, don’t worry.

Und ja, wir machen immer weiter Pläne. Einer meiner Ferienspäße war es, Mietpreise für Wohnungen in Deutschland auszutüfteln. Denn der Göttergatte hat Jobinterviews in Deutschland. Weshalb mein Hirn automatisch Visionen von einem Leben produziert, das wahlweise in unserem Haus in Bremen oder in einer Mietwohnung in Berlin, Frankfurt oder Stuttgart stattfindet. Nein, nicht in Stuttgart, da will ich nicht hin, da wird mit Gold tapeziert. Leute, ehrlich: 1700 € kalt für vier Zimmer mit kleinem Garten?! Are you sure? Das gefällt mir nicht, da habe ich bessere Ideen. Zum Beispiel diese hier, die finde ich ganz spannend:

Ich bleibe alleine mit den Kindern und Hund Scooper noch ein weiteres Jahr in East London. Mein Sohn macht in dem Jahr hier sein Abi, anstatt in Deutschland noch 2,5 Jahre zur Schule zu gehen. Der Göttergatte klärt derweil, wo er arbeitet. Das bringt Klarheit in die Frage, wo wir als Familie in Zukunft leben werden. Weil ich dadurch noch ein weiteres Jahr auf die nicht-arbeitende-Hausfrau-Mutter-und-Kindertaxifahrerinnen-Rolle festgelegt bin, und darauf so gar keinen Bock mehr habe, entwickle ich neben meiner Kreativität und Begeisterungsfähigkeit mit 47 Jahren auch noch Disziplin und Zielgerichtetheit. Das konnte ich bislang nur im Job gut, die Selbstorganisation in meinem Expatleben ist eher so ein wenig Naja. Außer zu Zeiten, in denen ich mich von Erich Jordan habe coachen lassen, da war ich super organisiert. Ach, das ist überhaupt ein Plan, den engagiere ich einfach wieder.

 

 

Und dann passiert es: Mein Blog macht mich reich und berühmt, das kennt man ja aus Funk und Fernsehen. Das ist ja schon mal schön, aber noch schöner ist, dass ich zeitgleich auch wieder zu den Sportgewohnheiten zurückfinde, die ich bis anfangs dieses Jahres hatte: Sieben Stunden Sport in der Woche zu machen, mit viel Spaß. Dieses Mal aber nehme ich knapp zehn Kilo ab, zehn Kilo die ich nie wieder zunehme, wegen Muskelmasse und so, auch das kennt man.

Damit meine Ehe in dem Jahr am Leben bleibt, auch weil ich an gemeinsame Projekte glaube und da wirklich dolle Lust zu habe, schreibe ich neben meinen Schwimm- und Gymeinheiten gemeinsam mit dem Göttergatten an einem Buch. Der Arbeitstitel: Auswandern, wie man es nicht tun sollte. Auch das wird ein Bestseller, aber erst etwas später dann, man will ja in Deutschland auf Lesereise gehen.

Was jetzt sofort passiert: Weil die Welt Geschichten liebt, bei denen die Liebe über alle Hindernisse und Entfernungen hinweg siegt, kontaktet mich übermorgen ein Sponsor. Der zahlt dem Göttergatten ein Mal im Monat einen Flug von Deutschland nach East London. Der neue Arbeitgeber meines Mannes, lass mal sagen der arbeitet jetzt in so einem Weltverbesserer-Klimaschutz-Thinktank-Dings in Berlin Germany, sieht ein, dass er seinen Mitarbeiter nur halten kann, wenn er ihm regelmäßig bezahlten Sonderurlaub dafür gibt. Alle sind happy. Und ich werde schön und reich und glücklich. Das ist doch wirklich mal ein Plan. Let’s make it happen!

 

 

Nicht. It’s not gonna happen. Also der Teil, bei dem der Mann und ich auf verschiedenen Kontinenten leben, wird derzeit nicht passieren. Für den Rest, Universum, hast du meinen Segen. Aber mal ehrlich, das Konzept, das einige Leute in meinem Umfeld gewählt haben und das mir regelmäßig nahegelegt wird: Muttern bleibt mit den Kids in East London, derweil verdient Vattern das Geld irgendwo anders auf der Welt – das istmal definitiv nix für uns.

Diese Entscheidung haben wir Eltern, nach einiger Grübelei, gemeinsam getroffen. Und ich bin heilfroh, dass die Option längerfristig getrennt zu leben keine mehr ist! Obwohl ich jetzt ohne den Göttergatten grillen kann. Ich kann sogar ohne ihn leben, für ein Jahr. Aber ich will es nicht, das ist das Ding.

Und jetzt schleppe ich mich erst mal zum Sporteln, weil: Nothing worth having comes easy, they say. Enjoy!

Tag 41.1 von 42 – Expatstatus: Es bleibt kompliziert

Aber die Tatsache das wir familiäre Unterstützung haben macht es viel einfacher. Deshalb können wir es uns erlauben, die Zeit des should-we-stay-or-should-we-go-now noch ein ganz klein wenig zu strecken. Treffen heute noch keine Entscheidung, wo wir im Dezember leben.

Einer der Gründe: Nach dem Platzen des ersten versprochenen Jobs für den Mann steht immer noch eine zweite Joboption im Raum. Schaun wir mal. Dann sehen wir schon.

Der Mann und ich, wir bewerben uns währenddessen beide auf Stellen in Deutschland. Ich zurzeit nur in Bremen, er deutschlandweit. Gleichzeitig halten wir, ein wenig uninspiriert, Ausschau nach einer Gastfamilie, bei der der 16 jährige Sohn von Januar bis November 2018 sein Abiturjahr in East London am Merrifield College verbringen kann. So ganz gerne geben wir den Sohn gar nicht her. Aber er findet das unproblematisch, da will man ja nicht helikoptern.

Überhaupt haben wir beschlossen, dass wir jetzt aufhören, uns so schrecklich viele Sorgen um alles zu machen. Der Mann und ich, wir haben uns die Freiheit gegeben, dass wir ab sofort jederzeit entscheiden dürfen nach Deutschland zu gehen. Wer die Unklarheit nicht mehr will, nicht mehr kann, der sagt zum Anderen: Stop, mir reicht’s. Wir gehen. Auto verkaufen, Verträge kündigen. Und dann ist das so.

So lange das keiner sagt, machen wir es uns noch eine kleine Weile im Dazwischen so gemütlich wie es geht. Weil, das ewige Gedenke und Gegrübele und Sorgen machen, das ist alles Quatsch. Es wird schon alles irgendwie gut werden, egal wo wir leben. Alle vier haben wir das beschlossen, das ist klasse. Und deshalb jetzt: Stop. Wochenende. Ferien. Und in einer Woche bin ich dann zurück auf diesem Kanal. Bis dahin: herzliche Grüße aus East London!